Reinhard Panses Positionen
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Podcast
Der jüngste Konflikt im Nahen Osten folgt einem bekannten Drehbuch: steigende Ölpreise, wachsende Unsicherheit und reflexartige Rezessionsängste. Doch wer genauer hinsieht, erkennt schnell – die Geschichte wiederholt sich nicht, sie reimt sich bestenfalls.
Zwar ist der Ölpreis seit Kriegsbeginn sprunghaft gestiegen und hat bereits nach wenigen Wochen das Niveau früherer Konflikte erreicht. Doch anders als in den 1970er Jahren ist die Weltwirtschaft heute deutlich weniger abhängig vom schwarzen Gold. Der Verbrauch ist seitdem massiv gesunken. Öl bleibt ein Risikofaktor, verliert aber zunehmend an Bedeutung.
Auch der Blick in die Vergangenheit relativiert die aktuellen Sorgen. Nur die erste Ölkrise 1973 führte zu dem gefürchteten Zusammenspiel aus explodierenden Preisen, steigender Inflation, höheren Zinsen und einbrechenden Aktienmärkten. In den meisten späteren Konflikten blieb dieses Szenario aus. Märkte reagieren differenzierter – und oft robuster – als es die Schlagzeilen vermuten lassen.
Das bedeutet jedoch keineswegs Entwarnung. Denn diesmal liegt das eigentliche Risiko weniger im Ölpreis selbst als in seiner Wechselwirkung mit bereits bestehenden Ungleichgewichten – insbesondere in den USA. Unter Donald Trump trifft der Iran-Krieg auf eine Wirtschaft mit historisch schwachem Konsumentenvertrauen, einer über Jahre aufgeblähten Staatsverschuldung und einem Aktienmarkt, der lange von Liquidität und KI-Euphorie getragen wurde.
Nun kehrt sich dieser Mechanismus um. Steigende Energiepreise treiben die Inflation, Zinssenkungen rücken in weite Ferne und sowohl Aktienkurse als auch Konsumlaune geraten gleichzeitig unter Druck. Diese Kombination ist gefährlich, denn sie entzieht der US-Konjunktur gleich mehrere Stützen auf einmal.
Hinzu kommt: Die fiskalischen Spielräume sind weitgehend ausgeschöpft. Die Zinslast der US-Regierung hat inzwischen ein Niveau erreicht, das selbst im internationalen Vergleich alarmierend ist. Sollte sich die Konjunktur weiter eintrüben, fehlt Washington die Schlagkraft für eine wirksame Gegensteuerung.
Im internationalen Vergleich erscheint das Bild daher fast paradox. Während die USA als vermeintlicher Gewinner steigender Ölpreise gelten, könnten andere Regionen – mit niedrigeren Bewertungen an den Aktienmärkten, stabilerem Konsumentenvertrauen und solideren Staatsfinanzen – besser aus der Situation hervorgehen.
Für Anleger ergibt sich daraus ein differenziertes Bild. Rohstoffe (mit Ausnahme von Gold) bleiben langfristig wenig attraktiv. Hohe Preise tragen den Keim ihres eigenen Rückgangs in sich: Sie dämpfen die Nachfrage und beschleunigen technologische Substitution. Das gilt heute mehr denn je, da Alternativen zu fossilen Energieträgern längst vorhanden sind.
Aktien hingegen haben bereits einen Teil der Risiken eingepreist. Nach den jüngsten Kursrückgängen sind Bewertungen in einigen Segmenten wieder attraktiver geworden – auch wenn kurzfristige Rückschläge nicht ausgeschlossen sind. Gold profitiert weiterhin vom schwindenden Vertrauen in fiskalische und geldpolitische Stabilität.
Am Ende bleibt eine Erkenntnis: Nicht jeder Ölpreisschock ist ein systemisches Risiko. Entscheidend ist, auf welches wirtschaftliche Umfeld er trifft. Und genau hier liegt heute der Unterschied.

Reinhard Panses Positionen
Der Nahost-Konflikt treibt Ölpreise und verunsichert die Märkte - doch die Weltwirtschaft ist heute weniger abhängig von Öl als in den 1970er-Jahren. Unter Donald Trump treffen die steigenden Energiepreise auf eine angeschlagene US-Wirtschaft.
Der jüngste Konflikt im Nahen Osten folgt einem bekannten Drehbuch: steigende Ölpreise, wachsende Unsicherheit und reflexartige Rezessionsängste. Doch wer genauer hinsieht, erkennt schnell – die Geschichte wiederholt sich nicht, sie reimt sich bestenfalls.
Zwar ist der Ölpreis seit Kriegsbeginn sprunghaft gestiegen und hat bereits nach wenigen Wochen das Niveau früherer Konflikte erreicht. Doch anders als in den 1970er Jahren ist die Weltwirtschaft heute deutlich weniger abhängig vom schwarzen Gold. Der Verbrauch ist seitdem massiv gesunken. Öl bleibt ein Risikofaktor, verliert aber zunehmend an Bedeutung.
Auch der Blick in die Vergangenheit relativiert die aktuellen Sorgen. Nur die erste Ölkrise 1973 führte zu dem gefürchteten Zusammenspiel aus explodierenden Preisen, steigender Inflation, höheren Zinsen und einbrechenden Aktienmärkten. In den meisten späteren Konflikten blieb dieses Szenario aus. Märkte reagieren differenzierter – und oft robuster – als es die Schlagzeilen vermuten lassen.
Das bedeutet jedoch keineswegs Entwarnung. Denn diesmal liegt das eigentliche Risiko weniger im Ölpreis selbst als in seiner Wechselwirkung mit bereits bestehenden Ungleichgewichten – insbesondere in den USA. Unter Donald Trump trifft der Iran-Krieg auf eine Wirtschaft mit historisch schwachem Konsumentenvertrauen, einer über Jahre aufgeblähten Staatsverschuldung und einem Aktienmarkt, der lange von Liquidität und KI-Euphorie getragen wurde.
Nun kehrt sich dieser Mechanismus um. Steigende Energiepreise treiben die Inflation, Zinssenkungen rücken in weite Ferne und sowohl Aktienkurse als auch Konsumlaune geraten gleichzeitig unter Druck. Diese Kombination ist gefährlich, denn sie entzieht der US-Konjunktur gleich mehrere Stützen auf einmal.
Hinzu kommt: Die fiskalischen Spielräume sind weitgehend ausgeschöpft. Die Zinslast der US-Regierung hat inzwischen ein Niveau erreicht, das selbst im internationalen Vergleich alarmierend ist. Sollte sich die Konjunktur weiter eintrüben, fehlt Washington die Schlagkraft für eine wirksame Gegensteuerung.
Im internationalen Vergleich erscheint das Bild daher fast paradox. Während die USA als vermeintlicher Gewinner steigender Ölpreise gelten, könnten andere Regionen – mit niedrigeren Bewertungen an den Aktienmärkten, stabilerem Konsumentenvertrauen und solideren Staatsfinanzen – besser aus der Situation hervorgehen.
Für Anleger ergibt sich daraus ein differenziertes Bild. Rohstoffe (mit Ausnahme von Gold) bleiben langfristig wenig attraktiv. Hohe Preise tragen den Keim ihres eigenen Rückgangs in sich: Sie dämpfen die Nachfrage und beschleunigen technologische Substitution. Das gilt heute mehr denn je, da Alternativen zu fossilen Energieträgern längst vorhanden sind.
Aktien hingegen haben bereits einen Teil der Risiken eingepreist. Nach den jüngsten Kursrückgängen sind Bewertungen in einigen Segmenten wieder attraktiver geworden – auch wenn kurzfristige Rückschläge nicht ausgeschlossen sind. Gold profitiert weiterhin vom schwindenden Vertrauen in fiskalische und geldpolitische Stabilität.
Am Ende bleibt eine Erkenntnis: Nicht jeder Ölpreisschock ist ein systemisches Risiko. Entscheidend ist, auf welches wirtschaftliche Umfeld er trifft. Und genau hier liegt heute der Unterschied.
Über den Autor
Reinhard Panse


Reinhard Panse ist Chief Investment Officer und Mitgründer der FINVIA Family Office GmbH. Bis Februar 2020 war Reinhard Panse Mitglied der Geschäftsführung und Chief Investment Officer für die im Eigentum der Familie Harald Quandt stehende HQ Trust GmbH. Von 2004 bis zum Eintritt in die HQ Trust GmbH im Jahre 2011 war Reinhard Panse Chief Investment Officer des in der UBS Deutschland AG geschaffenenGeschäftsbereichs UBS Sauerborn. Ab 2001 war Reinhard Panse Mitglied des Vorstands der Sauerborn Trust AG bzw. der Rechtsvorgänger. Er verantwortete die Investmentstrategie und gestaltete federführend die ganzheitliche Vermögensbetreuung und -verwaltung großer Privatvermögen. Begonnen hat Reinhard Panse mit der Übernahme von Kapitalmarkt- und Kundenbetreuungstätigkeiten bei der Feri GmbH im Jahre 1989, nachdem er eine eigene Vermögensverwaltung als Geschäftsführer gegründet und geführt hatte.