Reinhard Panses Positionen
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Die sechste Kondratjew-Welle rollt, getragen von Künstlicher Intelligenz. Der russische Ökonom Nikolai Kondratjew beschrieb vor fast 100 Jahren, wie Basisinnovationen lange Aufschwünge auslösen, bevor Überinvestitionen in eine Ernüchterungsphase münden. Das Internet hat diesen Zyklus durchlaufen. KI dürfte ihm folgen.
Operativ steht KI erst am Anfang – an der Börse womöglich nicht mehr. Die großen US-KI-Aktien treten seit Monaten auf der Stelle, in Euro gerechnet teils deutlich im Minus. Investoren beginnen einzupreisen, dass leistungsfähige KI-Anwendungen künftig Teile komplexer Unternehmenssoftware ersetzen könnten. Selbst Software-Schwergewichte wie Microsoft oder SAP gerieten zuletzt unter Druck – und das in einem insgesamt stabilen Marktumfeld. KI bedroht hier nicht nur Wettbewerber, sondern potenziell das eigene Geschäftsmodell.
Besonders augenfällig ist die Diskrepanz zwischen Vision und Bewertung bei Tesla. Während technologisch etwa die Alphabet-(Google)-Tochtergesellschaft Waymo die Nase vorn hat, speist sich ein Großteil der Tesla-Marktkapitalisierung aus Zukunftserzählungen rund um autonome Mobilität und Robotik.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen die geplanten Börsengänge großer privater Technologie- und KI-Konzerne. SpaceX plant einen Börsengang zu schwindelerregender Bewertung, nachdem die verlustreiche KI-Tochter xAI übernommen wurde. Auch OpenAI erwägt den Gang aufs Parkett. Historisch waren solche „Platzhirsch-IPOs“ selten gute Einstiegszeitpunkte für neue Aktionäre. Man denke an Goldman Sachs (1999), Blackstone (2007) oder Glencore (2011): Kurz darauf folgten massive Korrekturen in ihren jeweiligen Segmenten. Unser Bewertungsmodell signalisiert für den US-Markt erneut ein Niveau, das historisch mit schwachen Folgejahren korrespondierte.
Dabei wird KI die Wirtschaft real verändern wie einst die Webmaschine oder Chinas WTO-Beitritt. Wer Produktivität durch neue Technologien hebt, profitiert; wer zurückbleibt, verliert. Doch anders als im 19. oder 20. Jahrhundert steht diesmal auch der Dienstleistungssektor unter Rationalisierungsdruck. Für hochverschuldete Staaten – allen voran die USA – ist das heikel.
Hinzu kommt Politik. Seit der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus hat Gold um 100 % zugelegt. Der Anstieg erklärt sich kaum noch über Inflation, sondern über Vertrauensverlust: in die fiskalische Solidität, in Institutionen, in den Dollar. Der Anteil der US-Währung an den globalen Reserven sinkt, während Gold deutlich gewinnt.
Ein schwächerer Dollar ist jedoch nicht nur Risiko, sondern auch Chance. Historisch gingen Dollar-Abwertungen mit einer Outperformance europäischer und Schwellenländer-Aktien einher. Seit Ende 2024 zeigt sich ein ähnliches Muster: Kapital fließt verstärkt in Märkte außerhalb der USA.
Unser Fazit: KI bleibt eine strukturelle Revolution, aber nicht jede Bewertung ist revolutionstauglich. Die großen KI-IPOs erinnern an 1999. Gold und ausgewählte außeramerikanische Aktienmärkte profitieren dagegen von der geopolitischen und währungspolitischen Großwetterlage. Technologie ja – Euphorie nein.

Reinhard Panses Positionen
KI verändert die Welt, doch an den Kapitalmärkten könnte die Euphorie ihren Höhepunkt bereits überschritten haben. Hoch bewertete Tech-Börsengänge, ein schwächerer US-Dollar und steigendes Gold signalisieren eine mögliche Trendwende.
Die sechste Kondratjew-Welle rollt, getragen von Künstlicher Intelligenz. Der russische Ökonom Nikolai Kondratjew beschrieb vor fast 100 Jahren, wie Basisinnovationen lange Aufschwünge auslösen, bevor Überinvestitionen in eine Ernüchterungsphase münden. Das Internet hat diesen Zyklus durchlaufen. KI dürfte ihm folgen.
Operativ steht KI erst am Anfang – an der Börse womöglich nicht mehr. Die großen US-KI-Aktien treten seit Monaten auf der Stelle, in Euro gerechnet teils deutlich im Minus. Investoren beginnen einzupreisen, dass leistungsfähige KI-Anwendungen künftig Teile komplexer Unternehmenssoftware ersetzen könnten. Selbst Software-Schwergewichte wie Microsoft oder SAP gerieten zuletzt unter Druck – und das in einem insgesamt stabilen Marktumfeld. KI bedroht hier nicht nur Wettbewerber, sondern potenziell das eigene Geschäftsmodell.
Besonders augenfällig ist die Diskrepanz zwischen Vision und Bewertung bei Tesla. Während technologisch etwa die Alphabet-(Google)-Tochtergesellschaft Waymo die Nase vorn hat, speist sich ein Großteil der Tesla-Marktkapitalisierung aus Zukunftserzählungen rund um autonome Mobilität und Robotik.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen die geplanten Börsengänge großer privater Technologie- und KI-Konzerne. SpaceX plant einen Börsengang zu schwindelerregender Bewertung, nachdem die verlustreiche KI-Tochter xAI übernommen wurde. Auch OpenAI erwägt den Gang aufs Parkett. Historisch waren solche „Platzhirsch-IPOs“ selten gute Einstiegszeitpunkte für neue Aktionäre. Man denke an Goldman Sachs (1999), Blackstone (2007) oder Glencore (2011): Kurz darauf folgten massive Korrekturen in ihren jeweiligen Segmenten. Unser Bewertungsmodell signalisiert für den US-Markt erneut ein Niveau, das historisch mit schwachen Folgejahren korrespondierte.
Dabei wird KI die Wirtschaft real verändern wie einst die Webmaschine oder Chinas WTO-Beitritt. Wer Produktivität durch neue Technologien hebt, profitiert; wer zurückbleibt, verliert. Doch anders als im 19. oder 20. Jahrhundert steht diesmal auch der Dienstleistungssektor unter Rationalisierungsdruck. Für hochverschuldete Staaten – allen voran die USA – ist das heikel.
Hinzu kommt Politik. Seit der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus hat Gold um 100 % zugelegt. Der Anstieg erklärt sich kaum noch über Inflation, sondern über Vertrauensverlust: in die fiskalische Solidität, in Institutionen, in den Dollar. Der Anteil der US-Währung an den globalen Reserven sinkt, während Gold deutlich gewinnt.
Ein schwächerer Dollar ist jedoch nicht nur Risiko, sondern auch Chance. Historisch gingen Dollar-Abwertungen mit einer Outperformance europäischer und Schwellenländer-Aktien einher. Seit Ende 2024 zeigt sich ein ähnliches Muster: Kapital fließt verstärkt in Märkte außerhalb der USA.
Unser Fazit: KI bleibt eine strukturelle Revolution, aber nicht jede Bewertung ist revolutionstauglich. Die großen KI-IPOs erinnern an 1999. Gold und ausgewählte außeramerikanische Aktienmärkte profitieren dagegen von der geopolitischen und währungspolitischen Großwetterlage. Technologie ja – Euphorie nein.
Über den Autor
Reinhard Panse


Reinhard Panse ist Chief Investment Officer und Mitgründer der FINVIA Family Office GmbH. Bis Februar 2020 war Reinhard Panse Mitglied der Geschäftsführung und Chief Investment Officer für die im Eigentum der Familie Harald Quandt stehende HQ Trust GmbH. Von 2004 bis zum Eintritt in die HQ Trust GmbH im Jahre 2011 war Reinhard Panse Chief Investment Officer des in der UBS Deutschland AG geschaffenenGeschäftsbereichs UBS Sauerborn. Ab 2001 war Reinhard Panse Mitglied des Vorstands der Sauerborn Trust AG bzw. der Rechtsvorgänger. Er verantwortete die Investmentstrategie und gestaltete federführend die ganzheitliche Vermögensbetreuung und -verwaltung großer Privatvermögen. Begonnen hat Reinhard Panse mit der Übernahme von Kapitalmarkt- und Kundenbetreuungstätigkeiten bei der Feri GmbH im Jahre 1989, nachdem er eine eigene Vermögensverwaltung als Geschäftsführer gegründet und geführt hatte.