Reinhard Panses Positionen
Reinhard Panses Positionen
Podcast
Die KI-Euphorie bröckelt, und das ausgerechnet dort, wo sie herkommt: bei den Machern selbst. Ausgerechnet Altman, Amodei und Musk warnen vor Sicherheitsproblemen ihrer eigenen Produkte und fordern eine langsamere Entwicklung sowie staatliche Regulierung, weil ihre Systeme sich nicht immer an Regeln halten. Sollte der KI-Boom an Tempo verlieren, könnten auch die gewaltigen Investitionen in Rechenzentren nachlassen. Aber es gibt einen zweiten Stolperstein, und der ist unbestechlich: der Zins.
Steigende Zinsen sind eine typische Begleiterscheinung von Aktienblasen. Das zeigte sich 1929, während der Internet-Blase um die Jahrtausendwende und vor der Finanzkrise 2008. Nach dem Platzen halfen selbst sinkende Zinsen nicht die massiven Kursverluste zu verhindern. Die Aktienmärkte brachen jeweils um mindestens 50% ein, 1929 sogar um fast 90%.
Wie teuer steigende Zinsen werden können, zeigt der Blick auf vermeintlich sichere Staatsanleihen. Wer 2020 zehnjährige deutsche Staatsanleihen gekauft hat, sitzt heute auf einem Minus von rund 23 Prozent, inflationsbereinigt sogar 39 Prozent. In den USA beträgt der reale Verlust nach sechs Jahren noch rund 35 Prozent. Der Zinsanstieg hat damit auch bei Staatsanleihen tiefe Spuren hinterlassen.
Das Problem steigender Zinsen wird nun leider durch Zinserhöhungen etlicher Zentralbanken verschärft. Die EZB hat eine seltsame Neigung, den Zins ausgerechnet dann anzuheben, wenn der Ölpreis nach langem Anstieg seinen Höhepunkt erreicht. Sie folgt damit dem Kapitalmarkt, der glaubt, ein hoher Ölpreis treibe die Inflation auf Dauer. Das ist falsch. Seit 1963 gilt: Je höher der Ölpreis, desto stärker fiel er in den folgenden zehn Jahren, weil zu hohe Preise die Nachfrage abwürgen. Für die nächste Dekade ergibt sich aktuell etwa ein Minus von 4 Prozent pro Jahr. Die EZB wird den Zins also bald wieder senken müssen.
Wohin dann mit dem Geld? Eine Investitionsmöglichkeit ist der Aktienmarkt in Indien, das Land hat zwar ein Problem mit der Korruption, aber dafür ist es kaum verschuldet. Die Unternehmensgewinne haben sich fast so gut entwickelt wie in den USA. Außerdem sind indische Aktien deutlich weniger vom KI-Boom abhängig.
Frankreich steht vor anderen Herausforderungen. Hohe Staats- und Privatverschuldung treffen auf schwaches Wachstum und eine Staatsquote von rund 57 Prozent, die den Spielraum für weitere Steuererhöhungen begrenzt. Gleichzeitig waren die Renditen französischer Staatsanleihen seit 1990 immer niedriger als der Durchschnittswert der Eurozone. Im Juli 2024 lagen sie erstmals über dem Durchschnitt. Das ist ein Warnsignal, denn steigende Finanzierungskosten verschärfen die ohnehin angespannte Haushaltslage.
Der Zins wurde seit 2020 ignoriert. Aber in jeder Blase seit 1929 hat er sich am Ende durchgesetzt. Wer jetzt noch alles auf die USA und die KI-Titel setzt, wettet also gegen hundert Jahre Erfahrung.

Reinhard Panses Positionen
Steigende Zinsen treffen auf hohe Bewertungen und eine KI-Euphorie, die erste Risse zeigt. Historische Parallelen, der Ölpreis und der Blick auf Indien und Frankreich zeigen, was dahintersteckt.
Die KI-Euphorie bröckelt, und das ausgerechnet dort, wo sie herkommt: bei den Machern selbst. Ausgerechnet Altman, Amodei und Musk warnen vor Sicherheitsproblemen ihrer eigenen Produkte und fordern eine langsamere Entwicklung sowie staatliche Regulierung, weil ihre Systeme sich nicht immer an Regeln halten. Sollte der KI-Boom an Tempo verlieren, könnten auch die gewaltigen Investitionen in Rechenzentren nachlassen. Aber es gibt einen zweiten Stolperstein, und der ist unbestechlich: der Zins.
Steigende Zinsen sind eine typische Begleiterscheinung von Aktienblasen. Das zeigte sich 1929, während der Internet-Blase um die Jahrtausendwende und vor der Finanzkrise 2008. Nach dem Platzen halfen selbst sinkende Zinsen nicht die massiven Kursverluste zu verhindern. Die Aktienmärkte brachen jeweils um mindestens 50% ein, 1929 sogar um fast 90%.
Wie teuer steigende Zinsen werden können, zeigt der Blick auf vermeintlich sichere Staatsanleihen. Wer 2020 zehnjährige deutsche Staatsanleihen gekauft hat, sitzt heute auf einem Minus von rund 23 Prozent, inflationsbereinigt sogar 39 Prozent. In den USA beträgt der reale Verlust nach sechs Jahren noch rund 35 Prozent. Der Zinsanstieg hat damit auch bei Staatsanleihen tiefe Spuren hinterlassen.
Das Problem steigender Zinsen wird nun leider durch Zinserhöhungen etlicher Zentralbanken verschärft. Die EZB hat eine seltsame Neigung, den Zins ausgerechnet dann anzuheben, wenn der Ölpreis nach langem Anstieg seinen Höhepunkt erreicht. Sie folgt damit dem Kapitalmarkt, der glaubt, ein hoher Ölpreis treibe die Inflation auf Dauer. Das ist falsch. Seit 1963 gilt: Je höher der Ölpreis, desto stärker fiel er in den folgenden zehn Jahren, weil zu hohe Preise die Nachfrage abwürgen. Für die nächste Dekade ergibt sich aktuell etwa ein Minus von 4 Prozent pro Jahr. Die EZB wird den Zins also bald wieder senken müssen.
Wohin dann mit dem Geld? Eine Investitionsmöglichkeit ist der Aktienmarkt in Indien, das Land hat zwar ein Problem mit der Korruption, aber dafür ist es kaum verschuldet. Die Unternehmensgewinne haben sich fast so gut entwickelt wie in den USA. Außerdem sind indische Aktien deutlich weniger vom KI-Boom abhängig.
Frankreich steht vor anderen Herausforderungen. Hohe Staats- und Privatverschuldung treffen auf schwaches Wachstum und eine Staatsquote von rund 57 Prozent, die den Spielraum für weitere Steuererhöhungen begrenzt. Gleichzeitig waren die Renditen französischer Staatsanleihen seit 1990 immer niedriger als der Durchschnittswert der Eurozone. Im Juli 2024 lagen sie erstmals über dem Durchschnitt. Das ist ein Warnsignal, denn steigende Finanzierungskosten verschärfen die ohnehin angespannte Haushaltslage.
Der Zins wurde seit 2020 ignoriert. Aber in jeder Blase seit 1929 hat er sich am Ende durchgesetzt. Wer jetzt noch alles auf die USA und die KI-Titel setzt, wettet also gegen hundert Jahre Erfahrung.
Über den Autor
Reinhard Panse


Reinhard Panse ist Chief Investment Officer und Mitgründer der FINVIA Family Office GmbH. Bis Februar 2020 war Reinhard Panse Mitglied der Geschäftsführung und Chief Investment Officer für die im Eigentum der Familie Harald Quandt stehende HQ Trust GmbH. Von 2004 bis zum Eintritt in die HQ Trust GmbH im Jahre 2011 war Reinhard Panse Chief Investment Officer des in der UBS Deutschland AG geschaffenenGeschäftsbereichs UBS Sauerborn. Ab 2001 war Reinhard Panse Mitglied des Vorstands der Sauerborn Trust AG bzw. der Rechtsvorgänger. Er verantwortete die Investmentstrategie und gestaltete federführend die ganzheitliche Vermögensbetreuung und -verwaltung großer Privatvermögen. Begonnen hat Reinhard Panse mit der Übernahme von Kapitalmarkt- und Kundenbetreuungstätigkeiten bei der Feri GmbH im Jahre 1989, nachdem er eine eigene Vermögensverwaltung als Geschäftsführer gegründet und geführt hatte.