Reinhard Panses Positionen
Reinhard Panses Positionen
Podcast
Ende 2019 schien die Welt noch einer vertrauten Logik zu folgen. Vier Jahrzehnte lang waren Inflation und Zinsen gefallen. Staatsanleihen galten als sicherer Renditebaustein, Gold führte eher ein Schattendasein, und Aktien waren die Topperformer.
Dann kam der März 2020. Die Corona-Krise veränderte die ökonomischen Rahmenbedingungen grundlegend: Staaten sprangen mit massiven Hilfsprogrammen ein, Zentralbanken kauften Anleihen mit frisch gedrucktem Geld. Während die meisten Ökonomen eine schwere Deflation befürchteten, lautete die Einschätzung von FINVIA: Wenn die Wirtschaft wieder anspringt, werden starke inflationstreibende Kräfte wirken – getrieben von Lieferkettenstörungen, die die zunehmenden Abschottungsbemühungen im Welthandel (Brexit, Handelskrieg zwischen USA und China) unterstützten sowie demografisch bedingter Arbeitskräfteknappheit bei gleichzeitig staatlich gestützter Nachfrage. Eine Sichtweise, die damals klar gegen den Konsens stand.
Die Geschichte kennt solche Phasen. In den USA stiegen 1916 und 1941 die Inflationsraten stark an, während die Zinsen zunächst stabil blieben – mit erheblichen realen Verlusten für Staatsanleihen. Von 1916 bis 1920 verloren sie real fast 13% pro Jahr, von 1941 bis 1981 über 2% p.a., was einem realen Gesamtverlust von 56% entsprach.
Die Ausgangslage im März 2020 war ähnlich. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen war im 1. Halbjahr 2020 auf historisch einmalige 0,53 Prozent gefallen, deutsche Bundesanleihen rentierten sogar negativ. Nach vier Jahrzehnten fallender Zinsen und guter Anleiheperformance war diese Ära beendet. Entsprechend lautete unsere Empfehlung: Staatsanleihen meiden, stattdessen Liquidität, inflationsgeschützte europäische Anleihen und Gold, das nach 40 schwachen Jahren laut unseren Modellen vor einem strukturellen Trendwechsel stand.
Aktien wiederum waren differenzierter zu betrachten: Höhere Zinsen belasten zwar Bewertungen, doch steigende Inflation allein beendet keinen Aktienzyklus. Entscheidend ist etwas anderes: Spekulation. Wendepunkte wurden historisch besonders gefährlich, wenn Anleger steigende Zinsen ignorierten – wie 1929, 2000 und heute. Damals befeuerten Luftfahrt, Automobile oder das Internet die Euphorie; heute sind es Künstliche Intelligenz, Robotik und Raumfahrt. Der Wert aller US-Aktien gemessen an der Geldmenge hat inzwischen ein Niveau erreicht, das frühere Spekulationsphasen sogar übertrifft. Investoren halten so viele Aktien und so wenig Cash wie nie zuvor – ein klassisches Warnsignal.
Zeitenwenden bedeuten jedoch nicht, Märkte pauschal zu meiden. Während Teile des US-Technologiesektors überhitzt wirken, bleiben andere Segmente attraktiv: etwa japanische Aktien, europäische Small Caps, Gesundheits- und Basiskonsumgüterunternehmen sowie selektive US-Titel außerhalb des Technologiesektors. Auch Wohnimmobilien dürften mit einem Umfeld höherer Inflation besser zurechtkommen als hoch bewertete Wachstumsaktien.

Reinhard Panses Positionen
Wer Kapital anlegt, kommt an solchen Umbrüchen nicht vorbei. Lassen sich Zeitenwenden erkennen, bevor sie Konsens werden?
Ende 2019 schien die Welt noch einer vertrauten Logik zu folgen. Vier Jahrzehnte lang waren Inflation und Zinsen gefallen. Staatsanleihen galten als sicherer Renditebaustein, Gold führte eher ein Schattendasein, und Aktien waren die Topperformer.
Dann kam der März 2020. Die Corona-Krise veränderte die ökonomischen Rahmenbedingungen grundlegend: Staaten sprangen mit massiven Hilfsprogrammen ein, Zentralbanken kauften Anleihen mit frisch gedrucktem Geld. Während die meisten Ökonomen eine schwere Deflation befürchteten, lautete die Einschätzung von FINVIA: Wenn die Wirtschaft wieder anspringt, werden starke inflationstreibende Kräfte wirken – getrieben von Lieferkettenstörungen, die die zunehmenden Abschottungsbemühungen im Welthandel (Brexit, Handelskrieg zwischen USA und China) unterstützten sowie demografisch bedingter Arbeitskräfteknappheit bei gleichzeitig staatlich gestützter Nachfrage. Eine Sichtweise, die damals klar gegen den Konsens stand.
Die Geschichte kennt solche Phasen. In den USA stiegen 1916 und 1941 die Inflationsraten stark an, während die Zinsen zunächst stabil blieben – mit erheblichen realen Verlusten für Staatsanleihen. Von 1916 bis 1920 verloren sie real fast 13% pro Jahr, von 1941 bis 1981 über 2% p.a., was einem realen Gesamtverlust von 56% entsprach.
Die Ausgangslage im März 2020 war ähnlich. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen war im 1. Halbjahr 2020 auf historisch einmalige 0,53 Prozent gefallen, deutsche Bundesanleihen rentierten sogar negativ. Nach vier Jahrzehnten fallender Zinsen und guter Anleiheperformance war diese Ära beendet. Entsprechend lautete unsere Empfehlung: Staatsanleihen meiden, stattdessen Liquidität, inflationsgeschützte europäische Anleihen und Gold, das nach 40 schwachen Jahren laut unseren Modellen vor einem strukturellen Trendwechsel stand.
Aktien wiederum waren differenzierter zu betrachten: Höhere Zinsen belasten zwar Bewertungen, doch steigende Inflation allein beendet keinen Aktienzyklus. Entscheidend ist etwas anderes: Spekulation. Wendepunkte wurden historisch besonders gefährlich, wenn Anleger steigende Zinsen ignorierten – wie 1929, 2000 und heute. Damals befeuerten Luftfahrt, Automobile oder das Internet die Euphorie; heute sind es Künstliche Intelligenz, Robotik und Raumfahrt. Der Wert aller US-Aktien gemessen an der Geldmenge hat inzwischen ein Niveau erreicht, das frühere Spekulationsphasen sogar übertrifft. Investoren halten so viele Aktien und so wenig Cash wie nie zuvor – ein klassisches Warnsignal.
Zeitenwenden bedeuten jedoch nicht, Märkte pauschal zu meiden. Während Teile des US-Technologiesektors überhitzt wirken, bleiben andere Segmente attraktiv: etwa japanische Aktien, europäische Small Caps, Gesundheits- und Basiskonsumgüterunternehmen sowie selektive US-Titel außerhalb des Technologiesektors. Auch Wohnimmobilien dürften mit einem Umfeld höherer Inflation besser zurechtkommen als hoch bewertete Wachstumsaktien.
Über den Autor
Reinhard Panse


Reinhard Panse ist Chief Investment Officer und Mitgründer der FINVIA Family Office GmbH. Bis Februar 2020 war Reinhard Panse Mitglied der Geschäftsführung und Chief Investment Officer für die im Eigentum der Familie Harald Quandt stehende HQ Trust GmbH. Von 2004 bis zum Eintritt in die HQ Trust GmbH im Jahre 2011 war Reinhard Panse Chief Investment Officer des in der UBS Deutschland AG geschaffenenGeschäftsbereichs UBS Sauerborn. Ab 2001 war Reinhard Panse Mitglied des Vorstands der Sauerborn Trust AG bzw. der Rechtsvorgänger. Er verantwortete die Investmentstrategie und gestaltete federführend die ganzheitliche Vermögensbetreuung und -verwaltung großer Privatvermögen. Begonnen hat Reinhard Panse mit der Übernahme von Kapitalmarkt- und Kundenbetreuungstätigkeiten bei der Feri GmbH im Jahre 1989, nachdem er eine eigene Vermögensverwaltung als Geschäftsführer gegründet und geführt hatte.