Reinhard Panses Positionen
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Podcast
Staatsschulden sind kein Problem, solange sich jemand findet, der sie irgendwann bezahlt.
Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass hohe Verschuldung nicht zwangsläufig mit einer Geldentwertung enden muss. Während der beiden Weltkriege standen selbst die USA und Großbritannien vor gewaltigen finanziellen Belastungen. Trotzdem gelang es ihnen, die Inflation in Grenzen zu halten. Der Grund war eine solide Finanzpolitik: Die Kriegskosten wurden nicht allein über neue Schulden finanziert, sondern über ein heute wenig populäres Instrument: höhere Steuern.
Auf dem Höhepunkt der US-Staatsverschuldung im Jahr 1945 zahlten Unternehmen gemessen am Volkseinkommen, rund dreimal so viel Steuern wie heute. Auch die Spitzensteuersätze für besonders hohe Einkommen lagen bis Anfang der 1960er-Jahre bei über 90 Prozent. Hohe Schulden führen nicht automatisch zu Inflation, wenn der Staat die Last über Steuern verteilt.
Seit der Finanzkrise 2008 stieg die US-Staatsverschuldung von rund 63 auf 123 Prozent des Volkseinkommens. In der Eurozone fiel der Anstieg deutlich moderater aus: von 67 auf 89 Prozent. Egal ob künftig Republikaner oder Demokraten regieren, höhere Steuern für Unternehmen und Spitzenverdiener sind in den USA daher unvermeidlich. Sie würden die Nachsteuergewinne amerikanischer Firmen spürbar belasten. Am US-Aktienmarkt wird dieses Risiko bislang konsequent ignoriert. Die Alternative wäre eine deutlich höhere Inflation: Sie würde zwar den realen Wert der Schulden senken, aber zugleich die Kaufkraft der Bürger und den Wert ihrer Ersparnisse schwächen.
Dass Geldentwertung kein neues Phänomen ist, zeigt das alte Rom. Um die Staatsausgaben zu finanzieren, wurde dort der Silbergehalt der Münzen stetig reduziert. Unter Kaiser Nero sank er zunächst von 97 auf 90 Prozent, unter Marc Aurel auf 75 Prozent. Rund hundert Jahre später lag er unter Kaiser Aurelian schließlich bei gerade einmal zwei Prozent. Die Folge war eine zunehmende Inflation.
Auch Europa ist nicht frei von Problemen. Besonders Frankreich muss seine hohe Verschuldung in den Griff bekommen. Insgesamt steht die Eurozone finanziell jedoch solider da als die USA: Die Staatsverschuldung ist niedriger und Europa hat seine Position gegenüber dem Ausland in den vergangenen zehn Jahren verbessert, während die USA gegenüber dem Ausland hoch verschuldet ist. Gleichzeitig wächst das Vertrauen in Europa, während ein Auseinanderbrechen der Währungsunion zunehmend unwahrscheinlicher erscheint. Die geringere Verschuldung eröffnet zudem Spielraum für Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung.
Diese Unterschiede spiegeln sich auch in der Bewertung der Aktienmärkte wider. Europäische Aktien sind deutlich günstiger bewertet als US-amerikanische. Gemessen am Verhältnis von Kursen zu erwarteten Cashflows liegen die langfristigen Ertragserwartungen für europäische Aktien rund fünf Prozentpunkte pro Jahr über denen des US-Marktes. Mögliche Steuererhöhungen in den USA, die in diesen Prognosen noch nicht berücksichtigt sind, könnten den Abstand weiter vergrößern.

Reinhard Panses Positionen
Staatsschulden, drohende Steuererhöhungen und Inflation. Historische Parallelen und ein Blick auf die USA und Europa zeigen, was dahintersteckt.
Staatsschulden sind kein Problem, solange sich jemand findet, der sie irgendwann bezahlt.
Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass hohe Verschuldung nicht zwangsläufig mit einer Geldentwertung enden muss. Während der beiden Weltkriege standen selbst die USA und Großbritannien vor gewaltigen finanziellen Belastungen. Trotzdem gelang es ihnen, die Inflation in Grenzen zu halten. Der Grund war eine solide Finanzpolitik: Die Kriegskosten wurden nicht allein über neue Schulden finanziert, sondern über ein heute wenig populäres Instrument: höhere Steuern.
Auf dem Höhepunkt der US-Staatsverschuldung im Jahr 1945 zahlten Unternehmen gemessen am Volkseinkommen, rund dreimal so viel Steuern wie heute. Auch die Spitzensteuersätze für besonders hohe Einkommen lagen bis Anfang der 1960er-Jahre bei über 90 Prozent. Hohe Schulden führen nicht automatisch zu Inflation, wenn der Staat die Last über Steuern verteilt.
Seit der Finanzkrise 2008 stieg die US-Staatsverschuldung von rund 63 auf 123 Prozent des Volkseinkommens. In der Eurozone fiel der Anstieg deutlich moderater aus: von 67 auf 89 Prozent. Egal ob künftig Republikaner oder Demokraten regieren, höhere Steuern für Unternehmen und Spitzenverdiener sind in den USA daher unvermeidlich. Sie würden die Nachsteuergewinne amerikanischer Firmen spürbar belasten. Am US-Aktienmarkt wird dieses Risiko bislang konsequent ignoriert. Die Alternative wäre eine deutlich höhere Inflation: Sie würde zwar den realen Wert der Schulden senken, aber zugleich die Kaufkraft der Bürger und den Wert ihrer Ersparnisse schwächen.
Dass Geldentwertung kein neues Phänomen ist, zeigt das alte Rom. Um die Staatsausgaben zu finanzieren, wurde dort der Silbergehalt der Münzen stetig reduziert. Unter Kaiser Nero sank er zunächst von 97 auf 90 Prozent, unter Marc Aurel auf 75 Prozent. Rund hundert Jahre später lag er unter Kaiser Aurelian schließlich bei gerade einmal zwei Prozent. Die Folge war eine zunehmende Inflation.
Auch Europa ist nicht frei von Problemen. Besonders Frankreich muss seine hohe Verschuldung in den Griff bekommen. Insgesamt steht die Eurozone finanziell jedoch solider da als die USA: Die Staatsverschuldung ist niedriger und Europa hat seine Position gegenüber dem Ausland in den vergangenen zehn Jahren verbessert, während die USA gegenüber dem Ausland hoch verschuldet ist. Gleichzeitig wächst das Vertrauen in Europa, während ein Auseinanderbrechen der Währungsunion zunehmend unwahrscheinlicher erscheint. Die geringere Verschuldung eröffnet zudem Spielraum für Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung.
Diese Unterschiede spiegeln sich auch in der Bewertung der Aktienmärkte wider. Europäische Aktien sind deutlich günstiger bewertet als US-amerikanische. Gemessen am Verhältnis von Kursen zu erwarteten Cashflows liegen die langfristigen Ertragserwartungen für europäische Aktien rund fünf Prozentpunkte pro Jahr über denen des US-Marktes. Mögliche Steuererhöhungen in den USA, die in diesen Prognosen noch nicht berücksichtigt sind, könnten den Abstand weiter vergrößern.
Über den Autor
Reinhard Panse


Reinhard Panse ist Chief Investment Officer und Mitgründer der FINVIA Family Office GmbH. Bis Februar 2020 war Reinhard Panse Mitglied der Geschäftsführung und Chief Investment Officer für die im Eigentum der Familie Harald Quandt stehende HQ Trust GmbH. Von 2004 bis zum Eintritt in die HQ Trust GmbH im Jahre 2011 war Reinhard Panse Chief Investment Officer des in der UBS Deutschland AG geschaffenenGeschäftsbereichs UBS Sauerborn. Ab 2001 war Reinhard Panse Mitglied des Vorstands der Sauerborn Trust AG bzw. der Rechtsvorgänger. Er verantwortete die Investmentstrategie und gestaltete federführend die ganzheitliche Vermögensbetreuung und -verwaltung großer Privatvermögen. Begonnen hat Reinhard Panse mit der Übernahme von Kapitalmarkt- und Kundenbetreuungstätigkeiten bei der Feri GmbH im Jahre 1989, nachdem er eine eigene Vermögensverwaltung als Geschäftsführer gegründet und geführt hatte.