Vermögensmanagement
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Im September stehen gleich drei Landtagswahlen in Deutschland an – in Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Aktuelle Umfragen zeigen, dass populistische Parteien dort teils auf hohe Zustimmungswerte kommen. Doch der Aufstieg populistischer Parteien ist längst kein rein deutsches Phänomen. Eine Studie des Kiel Instituts für Weltwirtschaft zeigt, dass populistische Regierungsführungen über die vergangenen Jahrzehnte deutlich zugenommen haben und 2018 den höchsten Stand seit Beginn der Untersuchung erreichten.
Welche wirtschaftlichen Folgen hat diese Entwicklung? Und was bedeutet sie für Wachstum, Kapitalmärkte und den langfristigen Vermögenserhalt? Darüber spreche ich mit Reinhard Panse, Chief Investment Officer (CIO) von FINVIA.
Was macht Populismus aktuell so erfolgreich? Und ist populistische Politik historisch erfolgreich gewesen?
Populistische Parteien und Politiker liefern auf komplexe Probleme häufig einfache und eingängige Antworten – Antworten, die ökonomisch und logisch jedoch meist nicht tragen. Das gilt unabhängig davon, ob es sich um links- oder rechtspopulistische Positionen handelt.
Historisch ist dieses Muster keineswegs neu. Schon nach der Spekulationsblase von 1873 und nach der Weltwirtschaftskrise von 1929 wurden Schuldige im Ausland gesucht, statt die ökonomischen Ursachen ernsthaft zu adressieren. Die Folge waren Nationalismus, Abschottung und Zölle – mit einer anhaltenden wirtschaftlichen Schwächephase. Heute treffen solche Konzepte auf eine ohnehin schwierige Ausgangslage. Nach Jahrzehnten positiver Demografie, zunehmender Globalisierung und sinkender Inflation haben sich die Rahmenbedingungen grundlegend verändert. Die Babyboomer gehen in den Ruhestand, die Globalisierung wird zurückgedrängt und viele Staaten weisen eine historisch hohe Verschuldung auf. Werden in dieser Situation wirtschaftspolitische Maßnahmen umgesetzt, die Investitionen bremsen, Unsicherheit erhöhen und den internationalen Handel erschweren, belastet das das Wachstum zusätzlich. Genau darin liegt aus ökonomischer Sicht das eigentliche Risiko populistischer Politik.
Populismus ist ein globales Phänomen. Donald Trump gilt aktuell als sein prominentester Vertreter. Welche Merkmale populistischer Politik zeigen sich aus deiner Sicht in seiner MAGA-Bewegung?
Donald Trump ist aus meiner Sicht ein typischer Vertreter populistischer Politik. Viele der Muster, die sich historisch beobachten lassen, finden sich auch in seiner Politik wieder.
Ein zentrales Merkmal besteht darin, freie Medien und die Justiz unter Druck zu setzen. Werden diese geschwächt, erleichtert das Korruption und stärkt die Macht der politischen Führung.
Hinzu kommt die Behauptung, für wirtschaftliche Probleme seien vor allem äußere Einflüsse oder Ausländer verantwortlich. Daraus folgen Forderungen nach Abschottung, höheren Zöllen oder einer restriktiveren Migrationspolitik. Aus meiner Sicht schwächen solche Maßnahmen die Wirtschaft, erhöhen die Inflationsgefahren und verringern die Investitionsbereitschaft.
Letztlich geht es populistischen Regierungen häufig darum, die eigene Macht und wirtschaftliche Stellung auszubauen. Die Folgen tragen oft erst später die breite Bevölkerung – etwa durch geringeres Wachstum und eine schwächere wirtschaftliche Stabilität.
Welche ökonomischen Folgen zeigen sich, wenn dieses Playbook durchregiert?
Die empirischen Zusammenhänge sind eindeutig. Statistische Untersuchungen zeigen, dass Korruption in autoritär oder populistisch geführten Staaten deutlich stärker verbreitet ist als in demokratischen Ländern. Gleichzeitig weisen diese Länder häufig ein geringeres Pro-Kopf-Einkommen auf.
Ein besonders eindrückliches Beispiel ist Venezuela. Ende der 1990er-Jahre galt das Land noch als des wohlhabendsten Lateinamerikas. Innerhalb von rund 20 Jahren führte eine konsequent linkspopulistisch-sozialistische Politik zu einem dramatischen Wohlstandsverlust. Der Lebensstandard brach ein, die Gesundheitsversorgung verschlechterte sich massiv und Millionen Menschen verließen das Land.
Diese Zusammenhänge lassen sich auch an den USA unter Donald Trump derzeit gut beobachten.
Viele seiner Wahlversprechen – etwa sinkende Lebenshaltungskosten oder mehr außenpolitische Zurückhaltung – hat er nicht eingehalten. Wie reagieren seine Wähler und die Amerikaner insgesamt darauf?
Dass viele Wähler heute enttäuscht sind, überrascht mich nicht. Populistische Regierungen zeichnen sich häufig dadurch aus, dass sie im Wahlkampf Versprechen machen, die sich später nicht erfüllen.
Ein deutlicher Hinweis darauf ist das Verbrauchervertrauen in den USA. Seit Trumps Amtsantritt ist das Verbrauchervertrauen auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 1952 gefallen – selbst während der Ölkrisen oder der Finanzkrise war die Stimmung der Verbraucher besser. Im internationalen Vergleich ist der Rückgang in den USA deutlich ausgeprägter als in vielen anderen Ländern.
Viele Wähler stellen inzwischen fest, dass die wirtschaftliche Realität nicht den Erwartungen entspricht, die im Wahlkampf geweckt wurden.
Wie groß ist die Gefahr, die von Populisten in Europa und speziell in Deutschland ausgeht?
Für Deutschland wären insbesondere Maßnahmen problematisch, die den europäischen Binnenmarkt oder die gemeinsame Währung infrage stellen. Als exportorientierte Volkswirtschaft profitiert Deutschland in besonderem Maße von offenen Märkten und dem europäischen Binnenmarkt.
Ein Austritt aus der Europäischen Union oder aus dem Euro würde die Wettbewerbsfähigkeit vieler Unternehmen beeinträchtigen und die Unsicherheit für Investitionen deutlich erhöhen. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass Unternehmen Investitionen verstärkt ins Ausland verlagern.
Darüber hinaus würde eine Zersplitterung Europas die politische und wirtschaftliche Verhandlungsposition gegenüber anderen großen Wirtschaftsräumen deutlich schwächen. Gerade für ein exportorientiertes Land wie Deutschland wären die Folgen erheblich.
Was heißt das jetzt konkret für die Anlagestrategie?
Nominal verzinste Anlagen wie klassische Staatsanleihen bieten keinen ausreichenden Schutz vor dauerhaft steigenden Preisen. Nach Steuern bleibt von den heutigen Renditen häufig nur wenig übrig. Liegt die Inflation langfristig darüber, verliert das Vermögen real an Kaufkraft.
Deshalb sollte ein Portfolio international breit diversifiziert sein. Wer ausschließlich auf deutsche Aktien setzt, geht angesichts der politischen Risiken ein unnötig hohes Klumpenrisiko ein. Sinnvoll erscheint eine breite Streuung über verschiedene Regionen – beispielsweise die USA, Europa, Japan und ausgewählte Schwellenländer. Gleichzeitig sollten Anleger auch die Bewertungen einzelner Märkte im Blick behalten und nicht jedem kurzfristigen Trend folgen.
Auch bei Immobilien kann eine stärkere internationale Diversifikation sinnvoll sein. Wer ausschließlich in Deutschland investiert, macht sich stärker von der wirtschaftlichen Entwicklung und den politischen Rahmenbedingungen eines einzelnen Landes abhängig.
In einem von populistischer Politik geprägten Umfeld gewinnen reale Wertspeicher wie Gold an Bedeutung. Populistische Regierungen haben in der Vergangenheit häufig ihre Staatsfinanzen und Währungen geschwächt, um ihre politischen Programme zu finanzieren. Gold hat sich in solchen Phasen immer wieder als Wertspeicher bewährt.
Danke für das Gespräch, Reinhard! Die Kernbotschaft wird deutlich: Populismus ist nicht nur ein politisches Thema am Wahlabend, sondern etwas, das über Jahre hinweg Institutionen, Wachstum und am Ende auch Vermögen betrifft. Genau deshalb wird das Thema bei FINVIA in jeder langfristigen Vermögensstrategie mitgedacht.

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Welche Folgen hat Populismus für Wirtschaft, Kapitalmärkte und Vermögen? Reinhard Panse erklärt und gibt Einblicke für Anleger.
Im September stehen gleich drei Landtagswahlen in Deutschland an – in Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Aktuelle Umfragen zeigen, dass populistische Parteien dort teils auf hohe Zustimmungswerte kommen. Doch der Aufstieg populistischer Parteien ist längst kein rein deutsches Phänomen. Eine Studie des Kiel Instituts für Weltwirtschaft zeigt, dass populistische Regierungsführungen über die vergangenen Jahrzehnte deutlich zugenommen haben und 2018 den höchsten Stand seit Beginn der Untersuchung erreichten.
Welche wirtschaftlichen Folgen hat diese Entwicklung? Und was bedeutet sie für Wachstum, Kapitalmärkte und den langfristigen Vermögenserhalt? Darüber spreche ich mit Reinhard Panse, Chief Investment Officer (CIO) von FINVIA.
Was macht Populismus aktuell so erfolgreich? Und ist populistische Politik historisch erfolgreich gewesen?
Populistische Parteien und Politiker liefern auf komplexe Probleme häufig einfache und eingängige Antworten – Antworten, die ökonomisch und logisch jedoch meist nicht tragen. Das gilt unabhängig davon, ob es sich um links- oder rechtspopulistische Positionen handelt.
Historisch ist dieses Muster keineswegs neu. Schon nach der Spekulationsblase von 1873 und nach der Weltwirtschaftskrise von 1929 wurden Schuldige im Ausland gesucht, statt die ökonomischen Ursachen ernsthaft zu adressieren. Die Folge waren Nationalismus, Abschottung und Zölle – mit einer anhaltenden wirtschaftlichen Schwächephase. Heute treffen solche Konzepte auf eine ohnehin schwierige Ausgangslage. Nach Jahrzehnten positiver Demografie, zunehmender Globalisierung und sinkender Inflation haben sich die Rahmenbedingungen grundlegend verändert. Die Babyboomer gehen in den Ruhestand, die Globalisierung wird zurückgedrängt und viele Staaten weisen eine historisch hohe Verschuldung auf. Werden in dieser Situation wirtschaftspolitische Maßnahmen umgesetzt, die Investitionen bremsen, Unsicherheit erhöhen und den internationalen Handel erschweren, belastet das das Wachstum zusätzlich. Genau darin liegt aus ökonomischer Sicht das eigentliche Risiko populistischer Politik.
Populismus ist ein globales Phänomen. Donald Trump gilt aktuell als sein prominentester Vertreter. Welche Merkmale populistischer Politik zeigen sich aus deiner Sicht in seiner MAGA-Bewegung?
Donald Trump ist aus meiner Sicht ein typischer Vertreter populistischer Politik. Viele der Muster, die sich historisch beobachten lassen, finden sich auch in seiner Politik wieder.
Ein zentrales Merkmal besteht darin, freie Medien und die Justiz unter Druck zu setzen. Werden diese geschwächt, erleichtert das Korruption und stärkt die Macht der politischen Führung.
Hinzu kommt die Behauptung, für wirtschaftliche Probleme seien vor allem äußere Einflüsse oder Ausländer verantwortlich. Daraus folgen Forderungen nach Abschottung, höheren Zöllen oder einer restriktiveren Migrationspolitik. Aus meiner Sicht schwächen solche Maßnahmen die Wirtschaft, erhöhen die Inflationsgefahren und verringern die Investitionsbereitschaft.
Letztlich geht es populistischen Regierungen häufig darum, die eigene Macht und wirtschaftliche Stellung auszubauen. Die Folgen tragen oft erst später die breite Bevölkerung – etwa durch geringeres Wachstum und eine schwächere wirtschaftliche Stabilität.
Welche ökonomischen Folgen zeigen sich, wenn dieses Playbook durchregiert?
Die empirischen Zusammenhänge sind eindeutig. Statistische Untersuchungen zeigen, dass Korruption in autoritär oder populistisch geführten Staaten deutlich stärker verbreitet ist als in demokratischen Ländern. Gleichzeitig weisen diese Länder häufig ein geringeres Pro-Kopf-Einkommen auf.
Ein besonders eindrückliches Beispiel ist Venezuela. Ende der 1990er-Jahre galt das Land noch als des wohlhabendsten Lateinamerikas. Innerhalb von rund 20 Jahren führte eine konsequent linkspopulistisch-sozialistische Politik zu einem dramatischen Wohlstandsverlust. Der Lebensstandard brach ein, die Gesundheitsversorgung verschlechterte sich massiv und Millionen Menschen verließen das Land.
Diese Zusammenhänge lassen sich auch an den USA unter Donald Trump derzeit gut beobachten.
Viele seiner Wahlversprechen – etwa sinkende Lebenshaltungskosten oder mehr außenpolitische Zurückhaltung – hat er nicht eingehalten. Wie reagieren seine Wähler und die Amerikaner insgesamt darauf?
Dass viele Wähler heute enttäuscht sind, überrascht mich nicht. Populistische Regierungen zeichnen sich häufig dadurch aus, dass sie im Wahlkampf Versprechen machen, die sich später nicht erfüllen.
Ein deutlicher Hinweis darauf ist das Verbrauchervertrauen in den USA. Seit Trumps Amtsantritt ist das Verbrauchervertrauen auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 1952 gefallen – selbst während der Ölkrisen oder der Finanzkrise war die Stimmung der Verbraucher besser. Im internationalen Vergleich ist der Rückgang in den USA deutlich ausgeprägter als in vielen anderen Ländern.
Viele Wähler stellen inzwischen fest, dass die wirtschaftliche Realität nicht den Erwartungen entspricht, die im Wahlkampf geweckt wurden.
Wie groß ist die Gefahr, die von Populisten in Europa und speziell in Deutschland ausgeht?
Für Deutschland wären insbesondere Maßnahmen problematisch, die den europäischen Binnenmarkt oder die gemeinsame Währung infrage stellen. Als exportorientierte Volkswirtschaft profitiert Deutschland in besonderem Maße von offenen Märkten und dem europäischen Binnenmarkt.
Ein Austritt aus der Europäischen Union oder aus dem Euro würde die Wettbewerbsfähigkeit vieler Unternehmen beeinträchtigen und die Unsicherheit für Investitionen deutlich erhöhen. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass Unternehmen Investitionen verstärkt ins Ausland verlagern.
Darüber hinaus würde eine Zersplitterung Europas die politische und wirtschaftliche Verhandlungsposition gegenüber anderen großen Wirtschaftsräumen deutlich schwächen. Gerade für ein exportorientiertes Land wie Deutschland wären die Folgen erheblich.
Was heißt das jetzt konkret für die Anlagestrategie?
Nominal verzinste Anlagen wie klassische Staatsanleihen bieten keinen ausreichenden Schutz vor dauerhaft steigenden Preisen. Nach Steuern bleibt von den heutigen Renditen häufig nur wenig übrig. Liegt die Inflation langfristig darüber, verliert das Vermögen real an Kaufkraft.
Deshalb sollte ein Portfolio international breit diversifiziert sein. Wer ausschließlich auf deutsche Aktien setzt, geht angesichts der politischen Risiken ein unnötig hohes Klumpenrisiko ein. Sinnvoll erscheint eine breite Streuung über verschiedene Regionen – beispielsweise die USA, Europa, Japan und ausgewählte Schwellenländer. Gleichzeitig sollten Anleger auch die Bewertungen einzelner Märkte im Blick behalten und nicht jedem kurzfristigen Trend folgen.
Auch bei Immobilien kann eine stärkere internationale Diversifikation sinnvoll sein. Wer ausschließlich in Deutschland investiert, macht sich stärker von der wirtschaftlichen Entwicklung und den politischen Rahmenbedingungen eines einzelnen Landes abhängig.
In einem von populistischer Politik geprägten Umfeld gewinnen reale Wertspeicher wie Gold an Bedeutung. Populistische Regierungen haben in der Vergangenheit häufig ihre Staatsfinanzen und Währungen geschwächt, um ihre politischen Programme zu finanzieren. Gold hat sich in solchen Phasen immer wieder als Wertspeicher bewährt.
Danke für das Gespräch, Reinhard! Die Kernbotschaft wird deutlich: Populismus ist nicht nur ein politisches Thema am Wahlabend, sondern etwas, das über Jahre hinweg Institutionen, Wachstum und am Ende auch Vermögen betrifft. Genau deshalb wird das Thema bei FINVIA in jeder langfristigen Vermögensstrategie mitgedacht.
Über den Autor
Christian Maschner

Christian Maschner verantwortet den Bereich Investment Office bei FINVIA.
Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln mit den Schwerpunkten Finanzierungslehre und Finanzwissenschaften hat er seine Karriere bei der AXA Konzern AG begonnen. Dort war er für die Betreuung der Anlageklasse Private Equity zuständig und die Auswahl von Investmentmanagern.
Danach wechselte er 2011 zur Privatbank Sal. Oppenheim. Hier arbeitete er als Portfoliomanager und entwickelte quantitative Investmentprozesse zur taktischen und strategischen Asset Allocation für die institutionelle und private Vermögensverwaltung. Im Jahr 2018 schloss er sich der neu gegründeten HQ Asset Management GmbH an. Ab 2021 als Leiter Research baute er dort eine Investmentplattform zur Steuerung der strategischen und taktischen Asset Allocation sowie zur Aktienselektion auf.