Vermögensmanagement
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An den Finanzmärkten lässt sich ein Muster beobachten, das sich erstaunlich oft wiederholt: Wenn der unangefochtene Marktführer einer ganzen Branche an die Börse geht, erwischt er fast immer einen besonders günstigen Moment – nämlich dann, wenn die Stimmung am höchsten und die Begeisterung am größten ist. Im Rückblick markierten solche Börsengänge oft einen Wendepunkt.
Drei Beispiele zeigen das eindrücklich. Als die Investmentbank Goldman Sachs 1999 an die Börse ging – mitten im Internet-Boom – folgte kurz darauf der große Absturz: Der Technologie-Index NASDAQ verlor rund 80 Prozent seines Wertes. Als der Finanzgigant Blackstone 2007 den Sprung aufs Parkett wagte, stand die weltweite Finanzkrise unmittelbar bevor. Und nach dem Börsengang des weltgrößten Rohstoffhändlers Glencore begann eine jahrelange Durststrecke für Rohstoffanlagen. Das heißt nicht, dass ein Börsengang einen Crash auslöst. Aber er findet eben oft genau dann statt, wenn eine Euphorie ihren Höhepunkt erreicht hat.
Ein vergleichbares Umfeld sehen wir aktuell im Technologiesektor, insbesondere rund um Künstliche Intelligenz. Genau in dieses Bild passen die drei größten Börsengänge des Jahres 2026. SpaceX wird mit rund 1,8 Billionen US-Dollar bewertet, OpenAI mit 1,0 Billion und Anthropic mit 0,9 Billionen. Zusammen macht das 3,7 Billionen US-Dollar – eine Zahl, die schwer zu greifen ist. Deshalb ein konkreter Vergleich: Das ist fast doppelt so viel wert wie alle 40 großen deutschen Konzerne im DAX zusammengenommen (rund 1,96 Billionen US-Dollar). Oder noch deutlicher: Diese drei Unternehmen sind wertvoller als die gesamte deutsche Volkswirtschaft, gemessen am Gesamtwert aller börsennotierten Unternehmen. Drei einzelne Firmen gegen die gesamte deutsche Börsenelite.
An die Börse kommt davon aber nur ein kleiner Teil: SpaceX, OpenAI und Anthropic zusammen bringen insgesamt etwa 152 Milliarden US-Dollar auf den Markt. Der Rest bleibt bei Gründern, frühen Investoren und Mitarbeitern. Das bedeutet, dass der frei handelbare Anteil dieser Aktien vergleichsweise gering ausfallen dürfte – nur 3 bis 6 Prozent. Solche Bewertungen entstehen in Phasen großer Begeisterung. Niemand weiß, ob sie sich auf Dauer rechtfertigen lassen. Und das betrifft auch langfristig orientierte Investoren, selbst, wenn sie nie eine einzige SpaceX-Aktie kaufen.
Viele Investoren legen ihr Geld in breit gestreute Indexfonds an, etwa auf den MSCI World oder den S&P 500. Der große Vorteil: Man kauft mit einem Produkt gleich Hunderte oder Tausende Unternehmen auf einmal und muss sich nicht um die Auswahl einzelner Aktien kümmern. Das gilt zu Recht als solide und bequem.
Der Haken: Sobald ein großes Unternehmen an die Börse kommt, wird es nach kurzer Zeit automatisch in diese Indizes – und damit in Ihren ETF – aufgenommen. Sie kaufen die neue, teuer bewertete Aktie also mit, ohne es aktiv zu entscheiden. Bei SpaceX, OpenAI und Anthropic geschieht das voraussichtlich schon wenige Handelstage nach dem Börsengang. MSCI integriert große IPOs nach dem 10. Handelstag, FTSE bereits nach dem 5. Handelstag. Der S&P 500 hat keinen Fast-Track-Mechanismus, hier erfolgt die Aufnahme nach mindestens 6 Monaten durch ein Committee-Review.
Im ersten Moment ist der Effekt klein. Wenn der neue ETF-Besitzer alle drei Unternehmen aufnimmt, machen sie zusammen nur etwa 0,22 Prozent des S&P 500 und etwa 0,16 Prozent des MSCI World aus – weil eben nur dieser kleine Anteil frei handelbar ist. Doch das ändert sich mit der Zeit: Je mehr Aktien auf den Markt kommen und je stärker diese Unternehmen wachsen, desto größer wird das Gewicht dieser Firmen in den Indizes. Experten rechnen damit, dass langfristig bis zu 6 Prozent eines US-Aktienindex auf diese drei Titel entfallen könnten – falls sie tatsächlich so wertvoll bleiben wie heute. Dann hängt die Wertentwicklung Ihres ETFs immer stärker an einer Handvoll sehr hoch bewerteter Technologiewerte.
Genau hier liegt der entscheidende Punkt. Ein ETF wirkt auf den ersten Blick wie die perfekte Streuung. Tatsächlich aber sind Indizes wie der MSCI World oder der S&P 500 längst stark von wenigen großen US-Technologiekonzernen geprägt. Der MSCI World ist zu rund 72 Prozent mit US-Unternehmen gefüllt, vor allem Technologiekonzerne. Kommen nun drei weitere riesige, teuer bewertete Firmen hinzu, die zu 100 Prozent aus den USA stammen, verstärkt das diese Konzentration noch weiter.
Wer sein Vermögen langfristig stabil anlegen möchte, sollte deshalb nicht nur darauf achten, ob er in ETFs investiert ist, sondern auch wie sein Depot insgesamt zusammengesetzt ist. Das bedeutet: Nicht alles in einen MSCI-World-ETF oder S&P-500-ETF stecken, sondern bewusst auch in andere Indizes investieren – etwa in Europa, Asien oder Schwellenländer. Eine gute Mischung über verschiedene Regionen, Branchen und Anlageklassen sorgt dafür, dass das Vermögen nicht zu sehr von einem einzigen Trend abhängt, so spannend dieser auch sein mag. In der strategischen Vermögensstrukturierung bedeutet das: Indexnähe allein ersetzt keine Allokationsentscheidung.
Noch wichtiger: Historisch zeigt sich ein klares Muster. Wenn Investitionen in große neue Aktien zu schnell in Indizes aufgenommen werden – wie bei SpaceX, OpenAI und Anthropic – entwickeln sie sich oft in den ersten Jahren schwächer als der Index selbst. Das war bei Goldman Sachs 1999 der Fall, bei Blackstone 2007 und bei Glencore. Der Grund ist einfach: Der beste Zeitpunkt zum Einsteigen war oft schon vorbei, bevor die breite Masse über ETFs folgt.
Die Geschichte zeigt: Die größte Begeisterung war selten der beste Einstiegszeitpunkt. Eine breite, bewusst gewählte Aufstellung ist deshalb auch bei einem ETF-Vermögen kein Luxus, sondern die eigentliche Grundlage für ruhigen Schlaf und für ein Vermögen, das wirklich über die Jahrzehnte hinweg wächst.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar.

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Stehen die Mega-Börsengänge von SpaceX, OpenAI und Anthropic für den nächsten Wachstumsschub – oder für den Höhepunkt der KI-Euphorie? Warum selbst ETF-Anleger im MSCI World oder S&P 500 betroffen sind.
An den Finanzmärkten lässt sich ein Muster beobachten, das sich erstaunlich oft wiederholt: Wenn der unangefochtene Marktführer einer ganzen Branche an die Börse geht, erwischt er fast immer einen besonders günstigen Moment – nämlich dann, wenn die Stimmung am höchsten und die Begeisterung am größten ist. Im Rückblick markierten solche Börsengänge oft einen Wendepunkt.
Drei Beispiele zeigen das eindrücklich. Als die Investmentbank Goldman Sachs 1999 an die Börse ging – mitten im Internet-Boom – folgte kurz darauf der große Absturz: Der Technologie-Index NASDAQ verlor rund 80 Prozent seines Wertes. Als der Finanzgigant Blackstone 2007 den Sprung aufs Parkett wagte, stand die weltweite Finanzkrise unmittelbar bevor. Und nach dem Börsengang des weltgrößten Rohstoffhändlers Glencore begann eine jahrelange Durststrecke für Rohstoffanlagen. Das heißt nicht, dass ein Börsengang einen Crash auslöst. Aber er findet eben oft genau dann statt, wenn eine Euphorie ihren Höhepunkt erreicht hat.
Ein vergleichbares Umfeld sehen wir aktuell im Technologiesektor, insbesondere rund um Künstliche Intelligenz. Genau in dieses Bild passen die drei größten Börsengänge des Jahres 2026. SpaceX wird mit rund 1,8 Billionen US-Dollar bewertet, OpenAI mit 1,0 Billion und Anthropic mit 0,9 Billionen. Zusammen macht das 3,7 Billionen US-Dollar – eine Zahl, die schwer zu greifen ist. Deshalb ein konkreter Vergleich: Das ist fast doppelt so viel wert wie alle 40 großen deutschen Konzerne im DAX zusammengenommen (rund 1,96 Billionen US-Dollar). Oder noch deutlicher: Diese drei Unternehmen sind wertvoller als die gesamte deutsche Volkswirtschaft, gemessen am Gesamtwert aller börsennotierten Unternehmen. Drei einzelne Firmen gegen die gesamte deutsche Börsenelite.
An die Börse kommt davon aber nur ein kleiner Teil: SpaceX, OpenAI und Anthropic zusammen bringen insgesamt etwa 152 Milliarden US-Dollar auf den Markt. Der Rest bleibt bei Gründern, frühen Investoren und Mitarbeitern. Das bedeutet, dass der frei handelbare Anteil dieser Aktien vergleichsweise gering ausfallen dürfte – nur 3 bis 6 Prozent. Solche Bewertungen entstehen in Phasen großer Begeisterung. Niemand weiß, ob sie sich auf Dauer rechtfertigen lassen. Und das betrifft auch langfristig orientierte Investoren, selbst, wenn sie nie eine einzige SpaceX-Aktie kaufen.
Viele Investoren legen ihr Geld in breit gestreute Indexfonds an, etwa auf den MSCI World oder den S&P 500. Der große Vorteil: Man kauft mit einem Produkt gleich Hunderte oder Tausende Unternehmen auf einmal und muss sich nicht um die Auswahl einzelner Aktien kümmern. Das gilt zu Recht als solide und bequem.
Der Haken: Sobald ein großes Unternehmen an die Börse kommt, wird es nach kurzer Zeit automatisch in diese Indizes – und damit in Ihren ETF – aufgenommen. Sie kaufen die neue, teuer bewertete Aktie also mit, ohne es aktiv zu entscheiden. Bei SpaceX, OpenAI und Anthropic geschieht das voraussichtlich schon wenige Handelstage nach dem Börsengang. MSCI integriert große IPOs nach dem 10. Handelstag, FTSE bereits nach dem 5. Handelstag. Der S&P 500 hat keinen Fast-Track-Mechanismus, hier erfolgt die Aufnahme nach mindestens 6 Monaten durch ein Committee-Review.
Im ersten Moment ist der Effekt klein. Wenn der neue ETF-Besitzer alle drei Unternehmen aufnimmt, machen sie zusammen nur etwa 0,22 Prozent des S&P 500 und etwa 0,16 Prozent des MSCI World aus – weil eben nur dieser kleine Anteil frei handelbar ist. Doch das ändert sich mit der Zeit: Je mehr Aktien auf den Markt kommen und je stärker diese Unternehmen wachsen, desto größer wird das Gewicht dieser Firmen in den Indizes. Experten rechnen damit, dass langfristig bis zu 6 Prozent eines US-Aktienindex auf diese drei Titel entfallen könnten – falls sie tatsächlich so wertvoll bleiben wie heute. Dann hängt die Wertentwicklung Ihres ETFs immer stärker an einer Handvoll sehr hoch bewerteter Technologiewerte.
Genau hier liegt der entscheidende Punkt. Ein ETF wirkt auf den ersten Blick wie die perfekte Streuung. Tatsächlich aber sind Indizes wie der MSCI World oder der S&P 500 längst stark von wenigen großen US-Technologiekonzernen geprägt. Der MSCI World ist zu rund 72 Prozent mit US-Unternehmen gefüllt, vor allem Technologiekonzerne. Kommen nun drei weitere riesige, teuer bewertete Firmen hinzu, die zu 100 Prozent aus den USA stammen, verstärkt das diese Konzentration noch weiter.
Wer sein Vermögen langfristig stabil anlegen möchte, sollte deshalb nicht nur darauf achten, ob er in ETFs investiert ist, sondern auch wie sein Depot insgesamt zusammengesetzt ist. Das bedeutet: Nicht alles in einen MSCI-World-ETF oder S&P-500-ETF stecken, sondern bewusst auch in andere Indizes investieren – etwa in Europa, Asien oder Schwellenländer. Eine gute Mischung über verschiedene Regionen, Branchen und Anlageklassen sorgt dafür, dass das Vermögen nicht zu sehr von einem einzigen Trend abhängt, so spannend dieser auch sein mag. In der strategischen Vermögensstrukturierung bedeutet das: Indexnähe allein ersetzt keine Allokationsentscheidung.
Noch wichtiger: Historisch zeigt sich ein klares Muster. Wenn Investitionen in große neue Aktien zu schnell in Indizes aufgenommen werden – wie bei SpaceX, OpenAI und Anthropic – entwickeln sie sich oft in den ersten Jahren schwächer als der Index selbst. Das war bei Goldman Sachs 1999 der Fall, bei Blackstone 2007 und bei Glencore. Der Grund ist einfach: Der beste Zeitpunkt zum Einsteigen war oft schon vorbei, bevor die breite Masse über ETFs folgt.
Die Geschichte zeigt: Die größte Begeisterung war selten der beste Einstiegszeitpunkt. Eine breite, bewusst gewählte Aufstellung ist deshalb auch bei einem ETF-Vermögen kein Luxus, sondern die eigentliche Grundlage für ruhigen Schlaf und für ein Vermögen, das wirklich über die Jahrzehnte hinweg wächst.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar.
Über den Autor
Florenz Dietz
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Florenz Dietz ist seit Januar 2024 als Associate Portfolio Manager bei FINVIA tätig. Zuvor absolvierte er von 2018 bis 2023 eine duale Ausbildung im Bereich Private Wealth Management, Asset Management und Corporates & Markets bei ODDO BHF, wo er bereits praktische Erfahrungen sammelte.
Florenz Dietz hat einen Master von der Trinity Business School in Dublin (2022–2023), seinen Bachelor erwarb er an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (2018–2021).