Vermögensmanagement
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„Global diversifiziert“ klingt zunächst nach breit gestreut. In der Praxis sind viele Aktienportfolios aber deutlich konzentrierter, als es auf den ersten Blick scheint. Vor allem der US-Markt macht im MSCI World inzwischen rund 72 Prozent aus, allein die zehn größten Positionen – nahezu ausschließlich US-Technologiewerte – kommen auf über ein Viertel des Index. Wer glaubt, mit einem globalen Aktienindex automatisch breit diversifiziert zu sein, unterschätzt damit möglicherweise ein strukturelles Klumpenrisiko.
Für langfristig orientierte Anleger, Unternehmerfamilien und Family Offices stellt sich damit die Grundfrage, ob die klassische Marktkapitalisierung die wirtschaftliche Realität noch angemessen abbildet – oder ob sie vor allem Börsenerfolge vergangener Jahre fortschreibt. Genau hier setzt eine Alternative zur klassischen Marktkapitalisierung an: Die Gewichtung nach dem Bruttoinlandsprodukt, kurz BIP-Gewichtung (oder GDP). Eine BIP-Gewichtung ist zwar kein Allheilmittel, kann jedoch helfen, Konzentrationsrisiken strategisch zu begrenzen.
Die Logik der klassischen Marktkapitalisierung ist einfach: Je größer der Börsenwert eines Marktes oder Unternehmens, desto höher fällt sein Gewicht im Index aus. Steigen die Kurse, steigt das Gewicht automatisch mit. Das klingt zunächst plausibel, führt aber in der Praxis zu einem bekannten Effekt: Erfolgreiche Märkte werden im Index immer dominanter, auch wenn ihre Wirtschaftsleistung sich nicht im gleichen Tempo entwickelt.
Besonders sichtbar wird das dann, wenn einzelne Länder – etwa die USA – über Jahre hinweg einen immer größeren Anteil an globalen Aktienindizes einnehmen. Über die vergangenen Jahre hat das dazu geführt, dass der US-Anteil in globalen Indizes immer weiter gestiegen ist: von unter 50 Prozent nach der Finanzkrise 2008 auf aktuell rund 70 Prozent. Ein globaler Aktienindex ist also nicht automatisch gleichbedeutend mit breiter Streuung, er spiegelt in erster Linie die Bewertung der Kapitalmärkte wider.
Für Anleger entsteht dadurch ein Abhängigkeitsverhältnis, das auf den ersten Blick nicht sichtbar ist. Wenn ein Markt über längere Zeit sehr gut läuft, wächst sein Gewicht im Index automatisch mit. Für Investoren entsteht dadurch ein Klumpenrisiko. Das Portfolio wirkt diversifiziert, ist aber in Wahrheit oft stärker von einzelnen Ländern, Sektoren oder Mega-Caps abhängig, als es die Bezeichnung „Weltportfolio“ vermuten lässt.
Anleger, die Ende der 1980er-Jahre nach Marktkapitalisierung investierten, hielten unweigerlich einen sehr hohen Japan-Anteil, kurz bevor die japanische Börse über ein Jahrzehnt lang crashte. Ein aktuelles Pendant ist die heutige US-Tech-Dominanz: Sollte sich die Bewertung einzelner Mega-Caps deutlich korrigieren, könnte das den gesamten Weltindex spürbar belasten.
Wer Vermögen generationsübergreifend erhalten und entwickeln will, sollte deshalb nicht nur auf Renditechancen schauen, sondern auch auf die Struktur dahinter. Konzentration kann in guten Marktphasen belohnen. Sie kann aber in schwierigen Phasen auch die Verwundbarkeit erhöhen. Wie so oft gilt: Viel hilft nicht immer viel, wenn die Mischung einseitig ist.
Eine BIP-orientierte Betrachtung gewichtet Länder nicht nach Börsenwert, sondern nach ihrem Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung. Der Vorteil liegt vor allem in einer besseren Balance. Wenn ein einzelner Markt durch starke Kursanstiege immer dominanter wird, bleibt sein Gewicht bei einer BIP-Gewichtung tendenziell näher an seiner tatsächlichen ökonomischen Bedeutung. Dadurch kann das Risiko reduziert werden, dass das Portfolio zu stark von einem Land, einer Branche oder wenigen Mega-Caps abhängt. Nicht jeder Kursanstieg verdient automatisch ein größeres Gewicht im Portfolio.
Wichtig ist allerdings auch eine realistische Erwartung: Ein direkter Schutz vor Bewertungsblasen ist die BIP-Gewichtung nicht. Sie reduziert die Abhängigkeit von einzelnen überhitzten Märkten, und genau darin liegt der strategische Mehrwert: Konzentrationsrisiken zu entschärfen und die strategische Asset Allokation robuster zu machen.
Für Unternehmerfamilien ist das ein vertrautes Prinzip: Nicht nur was im Portfolio ist, sondern auch wie es gewichtet wird, entscheidet über die Stabilität des Gesamtvermögens. Ob und in welchem Umfang sich dieser Ansatz für ein Portfolio eignet, hängt immer von der individuellen Risikotragfähigkeit, dem Anlagehorizont und der bestehenden Vermögensstruktur ab.
Hohe Marktgewichtungen, starke Kursentwicklungen und zunehmende Konzentration sprechen dafür, die klassische Indexlogik kritisch zu hinterfragen. Eine BIP-orientierte Betrachtung ersetzt die Weltmarktlogik nicht vollständig, sie ergänzt sie um eine realwirtschaftliche Sicht. Sie kann eine gute Allokation nicht ersetzen, ist aber ein plausibler Ansatz, um Konzentrationsrisiken bewusster zu steuern. Denn wer Vermögen langfristig erhalten will, braucht nicht nur Marktmeinungen, sondern eine belastbare Allokationslogik.

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Viele globale Aktienportfolios sind stärker konzentriert, als sie auf den ersten Blick erscheinen. Warum die BIP-Gewichtung eine Alternative zur klassischen Marktkapitalisierung sein kann und welche Rolle sie für eine robuste Asset-Allokation spielt.
„Global diversifiziert“ klingt zunächst nach breit gestreut. In der Praxis sind viele Aktienportfolios aber deutlich konzentrierter, als es auf den ersten Blick scheint. Vor allem der US-Markt macht im MSCI World inzwischen rund 72 Prozent aus, allein die zehn größten Positionen – nahezu ausschließlich US-Technologiewerte – kommen auf über ein Viertel des Index. Wer glaubt, mit einem globalen Aktienindex automatisch breit diversifiziert zu sein, unterschätzt damit möglicherweise ein strukturelles Klumpenrisiko.
Für langfristig orientierte Anleger, Unternehmerfamilien und Family Offices stellt sich damit die Grundfrage, ob die klassische Marktkapitalisierung die wirtschaftliche Realität noch angemessen abbildet – oder ob sie vor allem Börsenerfolge vergangener Jahre fortschreibt. Genau hier setzt eine Alternative zur klassischen Marktkapitalisierung an: Die Gewichtung nach dem Bruttoinlandsprodukt, kurz BIP-Gewichtung (oder GDP). Eine BIP-Gewichtung ist zwar kein Allheilmittel, kann jedoch helfen, Konzentrationsrisiken strategisch zu begrenzen.
Die Logik der klassischen Marktkapitalisierung ist einfach: Je größer der Börsenwert eines Marktes oder Unternehmens, desto höher fällt sein Gewicht im Index aus. Steigen die Kurse, steigt das Gewicht automatisch mit. Das klingt zunächst plausibel, führt aber in der Praxis zu einem bekannten Effekt: Erfolgreiche Märkte werden im Index immer dominanter, auch wenn ihre Wirtschaftsleistung sich nicht im gleichen Tempo entwickelt.
Besonders sichtbar wird das dann, wenn einzelne Länder – etwa die USA – über Jahre hinweg einen immer größeren Anteil an globalen Aktienindizes einnehmen. Über die vergangenen Jahre hat das dazu geführt, dass der US-Anteil in globalen Indizes immer weiter gestiegen ist: von unter 50 Prozent nach der Finanzkrise 2008 auf aktuell rund 70 Prozent. Ein globaler Aktienindex ist also nicht automatisch gleichbedeutend mit breiter Streuung, er spiegelt in erster Linie die Bewertung der Kapitalmärkte wider.
Für Anleger entsteht dadurch ein Abhängigkeitsverhältnis, das auf den ersten Blick nicht sichtbar ist. Wenn ein Markt über längere Zeit sehr gut läuft, wächst sein Gewicht im Index automatisch mit. Für Investoren entsteht dadurch ein Klumpenrisiko. Das Portfolio wirkt diversifiziert, ist aber in Wahrheit oft stärker von einzelnen Ländern, Sektoren oder Mega-Caps abhängig, als es die Bezeichnung „Weltportfolio“ vermuten lässt.
Anleger, die Ende der 1980er-Jahre nach Marktkapitalisierung investierten, hielten unweigerlich einen sehr hohen Japan-Anteil, kurz bevor die japanische Börse über ein Jahrzehnt lang crashte. Ein aktuelles Pendant ist die heutige US-Tech-Dominanz: Sollte sich die Bewertung einzelner Mega-Caps deutlich korrigieren, könnte das den gesamten Weltindex spürbar belasten.
Wer Vermögen generationsübergreifend erhalten und entwickeln will, sollte deshalb nicht nur auf Renditechancen schauen, sondern auch auf die Struktur dahinter. Konzentration kann in guten Marktphasen belohnen. Sie kann aber in schwierigen Phasen auch die Verwundbarkeit erhöhen. Wie so oft gilt: Viel hilft nicht immer viel, wenn die Mischung einseitig ist.
Eine BIP-orientierte Betrachtung gewichtet Länder nicht nach Börsenwert, sondern nach ihrem Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung. Der Vorteil liegt vor allem in einer besseren Balance. Wenn ein einzelner Markt durch starke Kursanstiege immer dominanter wird, bleibt sein Gewicht bei einer BIP-Gewichtung tendenziell näher an seiner tatsächlichen ökonomischen Bedeutung. Dadurch kann das Risiko reduziert werden, dass das Portfolio zu stark von einem Land, einer Branche oder wenigen Mega-Caps abhängt. Nicht jeder Kursanstieg verdient automatisch ein größeres Gewicht im Portfolio.
Wichtig ist allerdings auch eine realistische Erwartung: Ein direkter Schutz vor Bewertungsblasen ist die BIP-Gewichtung nicht. Sie reduziert die Abhängigkeit von einzelnen überhitzten Märkten, und genau darin liegt der strategische Mehrwert: Konzentrationsrisiken zu entschärfen und die strategische Asset Allokation robuster zu machen.
Für Unternehmerfamilien ist das ein vertrautes Prinzip: Nicht nur was im Portfolio ist, sondern auch wie es gewichtet wird, entscheidet über die Stabilität des Gesamtvermögens. Ob und in welchem Umfang sich dieser Ansatz für ein Portfolio eignet, hängt immer von der individuellen Risikotragfähigkeit, dem Anlagehorizont und der bestehenden Vermögensstruktur ab.
Hohe Marktgewichtungen, starke Kursentwicklungen und zunehmende Konzentration sprechen dafür, die klassische Indexlogik kritisch zu hinterfragen. Eine BIP-orientierte Betrachtung ersetzt die Weltmarktlogik nicht vollständig, sie ergänzt sie um eine realwirtschaftliche Sicht. Sie kann eine gute Allokation nicht ersetzen, ist aber ein plausibler Ansatz, um Konzentrationsrisiken bewusster zu steuern. Denn wer Vermögen langfristig erhalten will, braucht nicht nur Marktmeinungen, sondern eine belastbare Allokationslogik.
Über den Autor
Christian Maschner

Christian Maschner verantwortet den Bereich Investment Office bei FINVIA.
Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln mit den Schwerpunkten Finanzierungslehre und Finanzwissenschaften hat er seine Karriere bei der AXA Konzern AG begonnen. Dort war er für die Betreuung der Anlageklasse Private Equity zuständig und die Auswahl von Investmentmanagern.
Danach wechselte er 2011 zur Privatbank Sal. Oppenheim. Hier arbeitete er als Portfoliomanager und entwickelte quantitative Investmentprozesse zur taktischen und strategischen Asset Allocation für die institutionelle und private Vermögensverwaltung. Im Jahr 2018 schloss er sich der neu gegründeten HQ Asset Management GmbH an. Ab 2021 als Leiter Research baute er dort eine Investmentplattform zur Steuerung der strategischen und taktischen Asset Allocation sowie zur Aktienselektion auf.