Vermögensmanagement
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Die militärische Eskalation zwischen Israel und dem Iran sowie die zunehmende Einbindung der USA haben in den vergangenen Tagen zu spürbaren Bewegungen an den Rohstoffmärkten geführt. Insbesondere der Ölpreis reagierte deutlich auf die gestiegenen geopolitischen Risiken. Auch klassische Sicherheitsanlagen wie Gold verzeichneten Zugewinne, während die internationalen Aktienmärkte moderat nachgaben.
Solche Marktreaktionen sind in geopolitischen Krisensituationen nicht ungewöhnlich. Entscheidend für Anleger ist jedoch weniger die kurzfristige Marktbewegung als die Frage, welche langfristigen Auswirkungen daraus entstehen können. Historische Erfahrungen aus mehreren Ölpreisschocks in den vergangenen 50 Jahren zeigen, dass die langfristigen Folgen für Kapitalmärkte meist begrenzt waren, solange die Realzinsen niedrig bleiben.
Die wichtigsten Punkte im Überblick:
Ein zentraler Grund für die aktuelle Nervosität an den Energiemärkten ist die strategische Bedeutung der Straße von Hormus. Durch diese Meerenge wird ein erheblicher Teil der globalen Öltransporte abgewickelt. Jede militärische Eskalation in der Region führt daher unmittelbar zu Risikoaufschlägen beim Ölpreis.
Gleichzeitig spricht einiges dafür, dass eine dauerhafte Blockade dieser Route wirtschaftlich für keine der beteiligten Parteien sinnvoll wäre. Auch der Iran ist auf funktionierende Exportwege angewiesen, um seine wichtigsten Einnahmequellen aufrechtzuerhalten. Historisch betrachtet wurden ähnliche Störungen der globalen Energieversorgung meist relativ schnell wieder aufgehoben.
Geopolitisch bedingte Ölpreisanstiege haben in der Vergangenheit immer wieder kurzfristige Marktbewegungen ausgelöst. Dauerhafte Börsenkrisen lassen sich jedoch nur selten direkt darauf zurückführen.
Die erste Ölkrise im Jahr 1973 stellt hier eine wichtige Ausnahme dar. Damals verloren Aktienmärkte weltweit massiv an Wert – in den USA und Deutschland zeitweise mehr als 40 Prozent, in Großbritannien sogar über 70 Prozent. Entscheidend war jedoch nicht allein der Ölpreisschock. Vielmehr traf dieser auf ein ohnehin fragiles wirtschaftliches Umfeld mit hoher Inflation, steigenden Zinsen und einer konjunkturellen Abschwächung.
In späteren geopolitischen Krisen, wie z. B. während des Golfkriegs Anfang der 1990er Jahre oder bei regionalen Spannungen im Nahen Osten, stiegen die Ölpreise kurzfristig deutlich an, ohne dass daraus eine dauerhafte Krise an den globalen Aktienmärkten entstand. Entscheidend war dabei, dass die Realzinsen heute deutlich niedriger sind als in den 1970er Jahren.
Ein wesentlicher struktureller Unterschied zu den 1970er Jahren liegt in der deutlich geringeren Energieintensität moderner Volkswirtschaften. Technologischer Fortschritt, effizientere Produktionsprozesse und der steigende Anteil des Dienstleistungssektors haben dazu geführt, dass für die Erzeugung einer Einheit Wirtschaftsleistung heute erheblich weniger Energie benötigt wird als noch vor einigen Jahrzehnten.
Der Ölverbrauch im Verhältnis zur globalen Wirtschaftsleistung ist seit den 1970er Jahren deutlich zurückgegangen und liegt heute nur noch bei einem Bruchteil des damaligen Niveaus. Dadurch reagieren moderne Volkswirtschaften wesentlich weniger empfindlich auf kurzfristige Ölpreisschocks als noch vor 50 Jahren.
Außerdem ist die globale Energieversorgung heute breiter diversifiziert. Diese Faktoren reduzieren die Wahrscheinlichkeit, dass ein kurzfristiger Ölpreisanstieg eine globale Rezession auslöst.
Für langfristig orientierte Investoren bleibt entscheidend, an einer klaren strategischen Ausrichtung festzuhalten, Marktschwankungen wie Wellen auf dem Meer zu betrachten und die Diversifikation des Portfolios konsequent zu wahren: Sie gehen vorüber, der Kurs bleibt entscheidend.
Hinzu kommt, dass viele Rüstungsunternehmen aktuell bereits sehr hoch bewertet sind. Globale Verteidigungsunternehmen werden derzeit teilweise mit rund dem 42-fachen ihres Jahresgewinns gehandelt. Zum Vergleich: Selbst die häufig von uns kritisierten IT-Aktien liegen aktuell bei etwa dem 37-fachen Jahresgewinn und erscheinen damit im Vergleich moderat bewertet. Auch wenn Energie- oder Verteidigungsunternehmen in Krisenzeiten kurzfristig hohe Gewinne erzielen können, sind sie aufgrund ihrer Zyklizität und politischen Abhängigkeit aus unserer Sicht weniger geeignet als Kernbestandteile eines langfristig ausgerichteten Portfolios.
Stattdessen liegt der Fokus auf breit diversifizierten Vermögensallokationen, die auch in Phasen erhöhter Unsicherheit Stabilität bieten. Private Equity, Immobilien oder inflationsgeschützte Anleihen können zusätzlich zur Risikostreuung beitragen und Chancen über verschiedene Anlageklassen hinweg erschließen.
Vor diesem Hintergrund sehen wir derzeit keinen Anlass für kurzfristige strategische Anpassungen. Gleichzeitig gilt: Sollten geopolitische Entwicklungen zu stärkeren Rücksetzern an den Aktienmärkten führen, können sich daraus auch attraktive Einstiegsmöglichkeiten ergeben.
Geopolitische Ereignisse sind naturgemäß schwer vorhersehbar, und kurzfristige Marktbewegungen gehören zum normalen Umfeld der Kapitalmärkte. Die aktuelle Eskalation im Nahen Osten hat zu einem Anstieg der Ölpreise und erhöhter Unsicherheit geführt, doch historische Erfahrungen zeigen, dass geopolitische Ölpreisschocks selten langfristige Auswirkungen auf die Kapitalmärkte haben. Eine weitergehende Eskalation mit deutlich höheren Ölpreisen und globalen Wachstumsbelastungen bleibt zwar ein Risikoszenario, das aufmerksam beobachtet werden sollte, spricht aber aktuell nicht dafür, dass sie das Basisszenario darstellt.

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Geopolitische Ereignisse sind naturgemäß schwer vorhersehbar. Warum Ölpreis-Schocks selten langfristige Börsenkrisen auslösen und was Investoren für ihr Portfolio beachten sollten.
Die militärische Eskalation zwischen Israel und dem Iran sowie die zunehmende Einbindung der USA haben in den vergangenen Tagen zu spürbaren Bewegungen an den Rohstoffmärkten geführt. Insbesondere der Ölpreis reagierte deutlich auf die gestiegenen geopolitischen Risiken. Auch klassische Sicherheitsanlagen wie Gold verzeichneten Zugewinne, während die internationalen Aktienmärkte moderat nachgaben.
Solche Marktreaktionen sind in geopolitischen Krisensituationen nicht ungewöhnlich. Entscheidend für Anleger ist jedoch weniger die kurzfristige Marktbewegung als die Frage, welche langfristigen Auswirkungen daraus entstehen können. Historische Erfahrungen aus mehreren Ölpreisschocks in den vergangenen 50 Jahren zeigen, dass die langfristigen Folgen für Kapitalmärkte meist begrenzt waren, solange die Realzinsen niedrig bleiben.
Die wichtigsten Punkte im Überblick:
Ein zentraler Grund für die aktuelle Nervosität an den Energiemärkten ist die strategische Bedeutung der Straße von Hormus. Durch diese Meerenge wird ein erheblicher Teil der globalen Öltransporte abgewickelt. Jede militärische Eskalation in der Region führt daher unmittelbar zu Risikoaufschlägen beim Ölpreis.
Gleichzeitig spricht einiges dafür, dass eine dauerhafte Blockade dieser Route wirtschaftlich für keine der beteiligten Parteien sinnvoll wäre. Auch der Iran ist auf funktionierende Exportwege angewiesen, um seine wichtigsten Einnahmequellen aufrechtzuerhalten. Historisch betrachtet wurden ähnliche Störungen der globalen Energieversorgung meist relativ schnell wieder aufgehoben.
Geopolitisch bedingte Ölpreisanstiege haben in der Vergangenheit immer wieder kurzfristige Marktbewegungen ausgelöst. Dauerhafte Börsenkrisen lassen sich jedoch nur selten direkt darauf zurückführen.
Die erste Ölkrise im Jahr 1973 stellt hier eine wichtige Ausnahme dar. Damals verloren Aktienmärkte weltweit massiv an Wert – in den USA und Deutschland zeitweise mehr als 40 Prozent, in Großbritannien sogar über 70 Prozent. Entscheidend war jedoch nicht allein der Ölpreisschock. Vielmehr traf dieser auf ein ohnehin fragiles wirtschaftliches Umfeld mit hoher Inflation, steigenden Zinsen und einer konjunkturellen Abschwächung.
In späteren geopolitischen Krisen, wie z. B. während des Golfkriegs Anfang der 1990er Jahre oder bei regionalen Spannungen im Nahen Osten, stiegen die Ölpreise kurzfristig deutlich an, ohne dass daraus eine dauerhafte Krise an den globalen Aktienmärkten entstand. Entscheidend war dabei, dass die Realzinsen heute deutlich niedriger sind als in den 1970er Jahren.
Ein wesentlicher struktureller Unterschied zu den 1970er Jahren liegt in der deutlich geringeren Energieintensität moderner Volkswirtschaften. Technologischer Fortschritt, effizientere Produktionsprozesse und der steigende Anteil des Dienstleistungssektors haben dazu geführt, dass für die Erzeugung einer Einheit Wirtschaftsleistung heute erheblich weniger Energie benötigt wird als noch vor einigen Jahrzehnten.
Der Ölverbrauch im Verhältnis zur globalen Wirtschaftsleistung ist seit den 1970er Jahren deutlich zurückgegangen und liegt heute nur noch bei einem Bruchteil des damaligen Niveaus. Dadurch reagieren moderne Volkswirtschaften wesentlich weniger empfindlich auf kurzfristige Ölpreisschocks als noch vor 50 Jahren.
Außerdem ist die globale Energieversorgung heute breiter diversifiziert. Diese Faktoren reduzieren die Wahrscheinlichkeit, dass ein kurzfristiger Ölpreisanstieg eine globale Rezession auslöst.
Für langfristig orientierte Investoren bleibt entscheidend, an einer klaren strategischen Ausrichtung festzuhalten, Marktschwankungen wie Wellen auf dem Meer zu betrachten und die Diversifikation des Portfolios konsequent zu wahren: Sie gehen vorüber, der Kurs bleibt entscheidend.
Hinzu kommt, dass viele Rüstungsunternehmen aktuell bereits sehr hoch bewertet sind. Globale Verteidigungsunternehmen werden derzeit teilweise mit rund dem 42-fachen ihres Jahresgewinns gehandelt. Zum Vergleich: Selbst die häufig von uns kritisierten IT-Aktien liegen aktuell bei etwa dem 37-fachen Jahresgewinn und erscheinen damit im Vergleich moderat bewertet. Auch wenn Energie- oder Verteidigungsunternehmen in Krisenzeiten kurzfristig hohe Gewinne erzielen können, sind sie aufgrund ihrer Zyklizität und politischen Abhängigkeit aus unserer Sicht weniger geeignet als Kernbestandteile eines langfristig ausgerichteten Portfolios.
Stattdessen liegt der Fokus auf breit diversifizierten Vermögensallokationen, die auch in Phasen erhöhter Unsicherheit Stabilität bieten. Private Equity, Immobilien oder inflationsgeschützte Anleihen können zusätzlich zur Risikostreuung beitragen und Chancen über verschiedene Anlageklassen hinweg erschließen.
Vor diesem Hintergrund sehen wir derzeit keinen Anlass für kurzfristige strategische Anpassungen. Gleichzeitig gilt: Sollten geopolitische Entwicklungen zu stärkeren Rücksetzern an den Aktienmärkten führen, können sich daraus auch attraktive Einstiegsmöglichkeiten ergeben.
Geopolitische Ereignisse sind naturgemäß schwer vorhersehbar, und kurzfristige Marktbewegungen gehören zum normalen Umfeld der Kapitalmärkte. Die aktuelle Eskalation im Nahen Osten hat zu einem Anstieg der Ölpreise und erhöhter Unsicherheit geführt, doch historische Erfahrungen zeigen, dass geopolitische Ölpreisschocks selten langfristige Auswirkungen auf die Kapitalmärkte haben. Eine weitergehende Eskalation mit deutlich höheren Ölpreisen und globalen Wachstumsbelastungen bleibt zwar ein Risikoszenario, das aufmerksam beobachtet werden sollte, spricht aber aktuell nicht dafür, dass sie das Basisszenario darstellt.
Über den Autor
Christian Maschner

Christian Maschner verantwortet den Bereich Investment Office bei FINVIA.
Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln mit den Schwerpunkten Finanzierungslehre und Finanzwissenschaften hat er seine Karriere bei der AXA Konzern AG begonnen. Dort war er für die Betreuung der Anlageklasse Private Equity zuständig und die Auswahl von Investmentmanagern.
Danach wechselte er 2011 zur Privatbank Sal. Oppenheim. Hier arbeitete er als Portfoliomanager und entwickelte quantitative Investmentprozesse zur taktischen und strategischen Asset Allocation für die institutionelle und private Vermögensverwaltung. Im Jahr 2018 schloss er sich der neu gegründeten HQ Asset Management GmbH an. Ab 2021 als Leiter Research baute er dort eine Investmentplattform zur Steuerung der strategischen und taktischen Asset Allocation sowie zur Aktienselektion auf.