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Private Equity Secondaries: Smarter Einstieg in die Private Markets

28.5.2026

Wenn Unternehmerinnen und Unternehmer ihr Lebenswerk verkaufen, entsteht oft eine neue Ausgangssituation: Ein erheblicher Teil des Vermögens wird liquide und soll langfristig sinnvoll investiert werden, idealerweise mit dem Ziel, attraktive risikoadjustierte Renditen zu erzielen. Private Equity als zentraler Bestandteil der Private Markets liegt dabei nahe.

Die Anlageklasse hat sich über Jahrzehnte als wichtiger Renditetreiber etabliert, bringt aber auch Herausforderungen mit sich: Kapital wird über Jahre gebunden, Rückflüsse sind nur begrenzt planbar und in den ersten Jahren eines Investments entsteht häufig die sogenannte J-Curve – der typische Verlauf, bei dem in der Anfangsphase die Kostenbelastung überwiegt, bevor die Wertentwicklung im weiteren Verlauf anzieht. Genau an dieser Stelle rückt ein Segment in den Fokus, das lange vor allem institutionellen Investoren vorbehalten war: der Secondary-Markt.

Was sind Private Equity Secondaries

Vereinfacht gesagt geht es bei Secondaries im Private Equity darum, bestehende Beteiligungen an Private-Equity-Fonds zu kaufen. Statt in einen neuen Fonds zu investieren, erwerben Investoren Anteile von bestehenden Anlegern. Man steigt also in ein Portfolio ein, das bereits teilweise oder weitgehend aufgebaut ist. Verkäufer sind häufig institutionelle Investoren, etwa Pensionskassen, Stiftungen oder Versicherungen. Die Gründe für einen Verkauf sind unterschiedlich: Liquiditätsbedarf, Portfolio-Rebalancing, regulatorische Vorgaben oder eine veränderte Allokationsstrategie. Der Verkauf bedeutet daher nicht automatisch, dass die Qualität der Assets nachgelassen hat.

Für Käufer entsteht dadurch ein Zugang zu reiferen Investments mit höherer Transparenz als bei einem jungen Fonds. Zugleich lässt sich besser einschätzen, wie sich ein Portfolio bereits entwickelt hat und welche Werttreiber vorhanden sind.

Warum der Einstiegszeitpunkt bei Secondaries zählt

Der vielleicht größte Unterschied zu klassischen Private-Equity-Investments liegt im Zeitpunkt des Einstiegs. Wer in Secondaries investiert, steigt typischerweise erst einige Jahre nach Auflage eines Fonds ein. Ein Großteil des Kapitals ist bereits investiert, viele Unternehmen haben sich operativ entwickelt, erste Wertsteigerungen sind sichtbar.

Für vermögende Familien bedeutet das vor allem eines: mehr Sichtbarkeit über die Entwicklung des Portfolios und oft frühere Ausschüttungen als bei einem Primärfonds. Gleichzeitig reduziert sich das sogenannte Blind-Pool-Risiko, also die Unsicherheit darüber, in welche Unternehmen ein Fonds künftig investieren wird.

Private Equity wird damit zu einem besser steuerbaren Baustein im Portfolio, der sich deutlich gezielter in die Gesamtstrategie integrieren lässt.

Warum das aktuelle Marktumfeld besonders interessant ist

Neben den strukturellen Vorteilen spielt auch das aktuelle Marktumfeld eine wichtige Rolle. In den vergangenen Jahren haben steigende Zinsen, schwächere Exit-Märkte und die veränderte Bewertung öffentlicher Märkte dazu geführt, dass viele institutionelle Investoren ihre Private-Equity-Allokationen überdenken mussten. Gleichzeitig führten die Korrekturen an den öffentlichen Märkten dazu, dass Private Markets relativ stärker gewichtet wurden. Ein Effekt, der als „Denominator-Effekt" bekannt ist.

Für Käufer im Secondary-Markt kann das attraktive Einstiegsmöglichkeiten schaffen. Anteile werden häufig mit Abschlägen auf den Nettoinventarwert (NAV) gehandelt. Das ist interessant, sollte aber nicht isoliert betrachtet werden: Ein Discount ist kein Qualitätsersatz, sondern in erster Linie ein Preisvorteil und zugleich ein möglicher Risikopuffer.

Entscheidend ist daher: Handelt es sich um einen Verkäufer Liquiditäts- oder Steuerungsbedarf, oder spiegeln sich im Preis auch strukturelle Probleme des Portfolios? Genau hier liegt der Kern professioneller Analyse.

Die eigentliche Stärke im Gesamtportfolio

Secondaries ersetzen klassische Private-Equity-Investments nicht, sie ergänzen diese. Primärfonds bleiben wichtig, um Zugang zu neuen Strategien, Managern und Marktchancen zu erhalten. Secondaries hingegen setzen an den strukturellen Schwächen klassischer Private-Equity-Investments an: lange Kapitalbindung, verzögerte Rückflüsse und die Abhängigkeit von einem einzelnen Investitionszyklus.

  • Planbare Kapitalentwicklung: Während klassische Fonds oft erst nach mehreren Jahren signifikante Ausschüttungen generieren, können Secondary-Investments früher Kapital zurückführen. Für Familienvermögen, Stiftungen oder Investoren mit laufenden Ausschüttungsbedarfen ist das ein zentraler Vorteil.
  • Breitere Diversifikation: Secondaries ermöglichen eine breitere Streuung über verschiedene Fondsjahrgänge, Regionen, Manager und häufig auch Strategien. Dadurch lässt sich das Risiko reduzieren, zu stark von einem bestimmten Marktumfeld abhängig zu sein. Gerade in Phasen erhöhter Unsicherheit gewinnt diese Diversifikation an Bedeutung.
  • Aktive Steuerung statt Passivität: Anstatt Kapitalabrufe und Rückflüsse weitgehend hinzunehmen, lassen sich Liquidität, Investitionszeitpunkte und Risikoprofile gezielter gestalten. Das verändert die Rolle von Private Equity im Portfolio grundlegend: So wird Private Equity trotz der typischen Laufzeit von zehn oder mehr Jahren zu einem besser steuerbaren Bestandteil der Vermögensarchitektur.

Secondaries sind längst mehr als ein Nischensegment. Sie sind zu einem wichtigen Instrument geworden, um die strukturellen Herausforderungen von Private Equity besser zu managen. Wer die Anlageklasse nicht nur als Renditequelle, sondern als Baustein einer durchdachten Vermögensarchitektur versteht, findet in Secondaries einen interessanten und oft unterschätzten Zugang.

Hinweis: Diese Anlage ist spekulativ und mit hohen Risiken verbunden – die Möglichkeit des Totalverlusts ist nicht ausgeschlossen. Alternative Investments eignen sich in der Regel für erfahrene Anleger, die ein hohes Risiko tolerieren und eine Diversifikation ihres Portfolios anstreben. Der Inhalt dieses Artikels dient ausschließlich der allgemeinen Information. Diese Informationen können und sollen eine individuelle Beratung nicht ersetzen.

Private Equity Secondaries: Smarter Einstieg in die Private Markets

Alternative Investments

Private Equity Secondaries: Smarter Einstieg in die Private Markets

28.5.2026

Nicolas Hannemann

Statt die ersten Jahre eines Private-Equity-Fonds mit abzuwarten, steigen Secondary-Investoren in bereits gereifte Portfolios ein und erhalten früher Cashflows. Warum dieser Weg für vermögende Familien immer interessanter wird.

Wenn Unternehmerinnen und Unternehmer ihr Lebenswerk verkaufen, entsteht oft eine neue Ausgangssituation: Ein erheblicher Teil des Vermögens wird liquide und soll langfristig sinnvoll investiert werden, idealerweise mit dem Ziel, attraktive risikoadjustierte Renditen zu erzielen. Private Equity als zentraler Bestandteil der Private Markets liegt dabei nahe.

Die Anlageklasse hat sich über Jahrzehnte als wichtiger Renditetreiber etabliert, bringt aber auch Herausforderungen mit sich: Kapital wird über Jahre gebunden, Rückflüsse sind nur begrenzt planbar und in den ersten Jahren eines Investments entsteht häufig die sogenannte J-Curve – der typische Verlauf, bei dem in der Anfangsphase die Kostenbelastung überwiegt, bevor die Wertentwicklung im weiteren Verlauf anzieht. Genau an dieser Stelle rückt ein Segment in den Fokus, das lange vor allem institutionellen Investoren vorbehalten war: der Secondary-Markt.

Was sind Private Equity Secondaries

Vereinfacht gesagt geht es bei Secondaries im Private Equity darum, bestehende Beteiligungen an Private-Equity-Fonds zu kaufen. Statt in einen neuen Fonds zu investieren, erwerben Investoren Anteile von bestehenden Anlegern. Man steigt also in ein Portfolio ein, das bereits teilweise oder weitgehend aufgebaut ist. Verkäufer sind häufig institutionelle Investoren, etwa Pensionskassen, Stiftungen oder Versicherungen. Die Gründe für einen Verkauf sind unterschiedlich: Liquiditätsbedarf, Portfolio-Rebalancing, regulatorische Vorgaben oder eine veränderte Allokationsstrategie. Der Verkauf bedeutet daher nicht automatisch, dass die Qualität der Assets nachgelassen hat.

Für Käufer entsteht dadurch ein Zugang zu reiferen Investments mit höherer Transparenz als bei einem jungen Fonds. Zugleich lässt sich besser einschätzen, wie sich ein Portfolio bereits entwickelt hat und welche Werttreiber vorhanden sind.

Warum der Einstiegszeitpunkt bei Secondaries zählt

Der vielleicht größte Unterschied zu klassischen Private-Equity-Investments liegt im Zeitpunkt des Einstiegs. Wer in Secondaries investiert, steigt typischerweise erst einige Jahre nach Auflage eines Fonds ein. Ein Großteil des Kapitals ist bereits investiert, viele Unternehmen haben sich operativ entwickelt, erste Wertsteigerungen sind sichtbar.

Für vermögende Familien bedeutet das vor allem eines: mehr Sichtbarkeit über die Entwicklung des Portfolios und oft frühere Ausschüttungen als bei einem Primärfonds. Gleichzeitig reduziert sich das sogenannte Blind-Pool-Risiko, also die Unsicherheit darüber, in welche Unternehmen ein Fonds künftig investieren wird.

Private Equity wird damit zu einem besser steuerbaren Baustein im Portfolio, der sich deutlich gezielter in die Gesamtstrategie integrieren lässt.

Warum das aktuelle Marktumfeld besonders interessant ist

Neben den strukturellen Vorteilen spielt auch das aktuelle Marktumfeld eine wichtige Rolle. In den vergangenen Jahren haben steigende Zinsen, schwächere Exit-Märkte und die veränderte Bewertung öffentlicher Märkte dazu geführt, dass viele institutionelle Investoren ihre Private-Equity-Allokationen überdenken mussten. Gleichzeitig führten die Korrekturen an den öffentlichen Märkten dazu, dass Private Markets relativ stärker gewichtet wurden. Ein Effekt, der als „Denominator-Effekt" bekannt ist.

Für Käufer im Secondary-Markt kann das attraktive Einstiegsmöglichkeiten schaffen. Anteile werden häufig mit Abschlägen auf den Nettoinventarwert (NAV) gehandelt. Das ist interessant, sollte aber nicht isoliert betrachtet werden: Ein Discount ist kein Qualitätsersatz, sondern in erster Linie ein Preisvorteil und zugleich ein möglicher Risikopuffer.

Entscheidend ist daher: Handelt es sich um einen Verkäufer Liquiditäts- oder Steuerungsbedarf, oder spiegeln sich im Preis auch strukturelle Probleme des Portfolios? Genau hier liegt der Kern professioneller Analyse.

Die eigentliche Stärke im Gesamtportfolio

Secondaries ersetzen klassische Private-Equity-Investments nicht, sie ergänzen diese. Primärfonds bleiben wichtig, um Zugang zu neuen Strategien, Managern und Marktchancen zu erhalten. Secondaries hingegen setzen an den strukturellen Schwächen klassischer Private-Equity-Investments an: lange Kapitalbindung, verzögerte Rückflüsse und die Abhängigkeit von einem einzelnen Investitionszyklus.

  • Planbare Kapitalentwicklung: Während klassische Fonds oft erst nach mehreren Jahren signifikante Ausschüttungen generieren, können Secondary-Investments früher Kapital zurückführen. Für Familienvermögen, Stiftungen oder Investoren mit laufenden Ausschüttungsbedarfen ist das ein zentraler Vorteil.
  • Breitere Diversifikation: Secondaries ermöglichen eine breitere Streuung über verschiedene Fondsjahrgänge, Regionen, Manager und häufig auch Strategien. Dadurch lässt sich das Risiko reduzieren, zu stark von einem bestimmten Marktumfeld abhängig zu sein. Gerade in Phasen erhöhter Unsicherheit gewinnt diese Diversifikation an Bedeutung.
  • Aktive Steuerung statt Passivität: Anstatt Kapitalabrufe und Rückflüsse weitgehend hinzunehmen, lassen sich Liquidität, Investitionszeitpunkte und Risikoprofile gezielter gestalten. Das verändert die Rolle von Private Equity im Portfolio grundlegend: So wird Private Equity trotz der typischen Laufzeit von zehn oder mehr Jahren zu einem besser steuerbaren Bestandteil der Vermögensarchitektur.

Secondaries sind längst mehr als ein Nischensegment. Sie sind zu einem wichtigen Instrument geworden, um die strukturellen Herausforderungen von Private Equity besser zu managen. Wer die Anlageklasse nicht nur als Renditequelle, sondern als Baustein einer durchdachten Vermögensarchitektur versteht, findet in Secondaries einen interessanten und oft unterschätzten Zugang.

Hinweis: Diese Anlage ist spekulativ und mit hohen Risiken verbunden – die Möglichkeit des Totalverlusts ist nicht ausgeschlossen. Alternative Investments eignen sich in der Regel für erfahrene Anleger, die ein hohes Risiko tolerieren und eine Diversifikation ihres Portfolios anstreben. Der Inhalt dieses Artikels dient ausschließlich der allgemeinen Information. Diese Informationen können und sollen eine individuelle Beratung nicht ersetzen.

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Über den Autor

Nicolas Hannemann

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Nicolas Hannemann ist als Investment Manager im Bereich Alternative Investments bei FINVIA tätig.

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