Reinhard Panses Positionen
Reinhard Panses Positionen
Podcast
US-Präsident Donald Trump hat mit der Berufung seines engsten Wirtschaftsberaters Stephen Miran in den Vorstand der Federal Reserve eine rote Linie überschritten. De facto verliert die Notenbank damit ihre Unabhängigkeit. Und eine Notenbank, die dem Präsidenten gehorcht, ist keine Hüterin der Preisstabilität mehr – sie wird zur verlängerten Werkbank politischer Interessen.
Miran folgt einer simplen, aber gefährlichen Logik: Zölle sind seiner Ansicht nach nicht inflationstreibend (was außer ihm fast kein anderer Ökonom glaubt), und deshalb möchte er die Zinsen sofort stark senken. Die Konsequenz: ein schwächerer US-Dollar, steigende Importpreise und damit höhere Inflation. Genau das Gegenteil dessen, was eine Zentralbank eigentlich bekämpfen soll. Dass dieser Mann nun direkt im Fed-Vorstand sitzt, markiert eine tektonische Verschiebung.
Die Folgen einer politisierten Geldpolitik sind historisch gut dokumentiert. Wenn die Unabhängigkeit der Notenbank endet, steigt die Inflation. Das haben nicht nur die Studien von Alesina und Summers gezeigt, sondern auch die Praxis in Ländern wie der Türkei, wo Präsident Erdoğan die Zentralbank zur Regierungshilfsstelle machte, mit Inflationsraten von zeitweise über 80 %.
In den USA könnten die Effekte ebenso gravierend sein. Trump denkt laut darüber nach, US-Staatsanleihen, die von ausländischen Investoren gehalten werden, in hundertjährige Nullkuponanleihen umzutauschen. Eine 30-jährige US-Anleihe mit knapp 5 % Verzinsung hätte nach einem solchen Zwangsumtausch nur noch einen Restwert von weniger als 1 %, ein faktischer Zahlungsausfall. Der Wertverlust wäre enorm und das Vertrauen internationaler Anleger dahin. Besonders paradox: Gerade die „bösen Ausländer“, wie Trump sie nennt, haben durch ihre Dollarkäufe bislang die langfristigen Zinsen niedrig gehalten und damit die US-Wirtschaft gestützt. Um die Lücke zu schließen, müsste die Fed Anleihen mit frisch gedrucktem Geld aufkaufen. Der Dollar würde weiter fallen, die Inflation weiter steigen.
Dass Märkte dieses Szenario bislang weitgehend ignorieren, macht es nicht weniger real. Denn die Mechanik ist klar: Mit der Abhängigkeit der Fed von der Politik verliert der Dollar seine Stabilität und eine Fed ohne Unabhängigkeit bedeutet ein Umfeld strukturell höherer Inflation. Klassische „sichere Häfen“ wie US-Staatsanleihen verlieren in einem solchen Szenario ihre Schutzfunktion. Auch die überteuerten US-Aktien- und Immobilienmärkte wären gefährdet, weil sie besonders sensibel auf steigende Zinsen reagieren. Gewinner sind dagegen Anlageklassen, die von Geldentwertung profitieren: Gold, inflationsgeschützte Immobilien und reale Sachwerte.
Märkte können vieles verkraften, nur nicht den Verlust von Vertrauen in das Geld selbst.
Reinhard Panses Positionen
US-Präsident Trump untergräbt mit der Einflussnahme auf die Federal Reserve die Unabhängigkeit der Notenbank. Ein schwächerer Dollar, steigende Inflation und gefährdete US-Staatsanleihen könnten die Folge sein.
US-Präsident Donald Trump hat mit der Berufung seines engsten Wirtschaftsberaters Stephen Miran in den Vorstand der Federal Reserve eine rote Linie überschritten. De facto verliert die Notenbank damit ihre Unabhängigkeit. Und eine Notenbank, die dem Präsidenten gehorcht, ist keine Hüterin der Preisstabilität mehr – sie wird zur verlängerten Werkbank politischer Interessen.
Miran folgt einer simplen, aber gefährlichen Logik: Zölle sind seiner Ansicht nach nicht inflationstreibend (was außer ihm fast kein anderer Ökonom glaubt), und deshalb möchte er die Zinsen sofort stark senken. Die Konsequenz: ein schwächerer US-Dollar, steigende Importpreise und damit höhere Inflation. Genau das Gegenteil dessen, was eine Zentralbank eigentlich bekämpfen soll. Dass dieser Mann nun direkt im Fed-Vorstand sitzt, markiert eine tektonische Verschiebung.
Die Folgen einer politisierten Geldpolitik sind historisch gut dokumentiert. Wenn die Unabhängigkeit der Notenbank endet, steigt die Inflation. Das haben nicht nur die Studien von Alesina und Summers gezeigt, sondern auch die Praxis in Ländern wie der Türkei, wo Präsident Erdoğan die Zentralbank zur Regierungshilfsstelle machte, mit Inflationsraten von zeitweise über 80 %.
In den USA könnten die Effekte ebenso gravierend sein. Trump denkt laut darüber nach, US-Staatsanleihen, die von ausländischen Investoren gehalten werden, in hundertjährige Nullkuponanleihen umzutauschen. Eine 30-jährige US-Anleihe mit knapp 5 % Verzinsung hätte nach einem solchen Zwangsumtausch nur noch einen Restwert von weniger als 1 %, ein faktischer Zahlungsausfall. Der Wertverlust wäre enorm und das Vertrauen internationaler Anleger dahin. Besonders paradox: Gerade die „bösen Ausländer“, wie Trump sie nennt, haben durch ihre Dollarkäufe bislang die langfristigen Zinsen niedrig gehalten und damit die US-Wirtschaft gestützt. Um die Lücke zu schließen, müsste die Fed Anleihen mit frisch gedrucktem Geld aufkaufen. Der Dollar würde weiter fallen, die Inflation weiter steigen.
Dass Märkte dieses Szenario bislang weitgehend ignorieren, macht es nicht weniger real. Denn die Mechanik ist klar: Mit der Abhängigkeit der Fed von der Politik verliert der Dollar seine Stabilität und eine Fed ohne Unabhängigkeit bedeutet ein Umfeld strukturell höherer Inflation. Klassische „sichere Häfen“ wie US-Staatsanleihen verlieren in einem solchen Szenario ihre Schutzfunktion. Auch die überteuerten US-Aktien- und Immobilienmärkte wären gefährdet, weil sie besonders sensibel auf steigende Zinsen reagieren. Gewinner sind dagegen Anlageklassen, die von Geldentwertung profitieren: Gold, inflationsgeschützte Immobilien und reale Sachwerte.
Märkte können vieles verkraften, nur nicht den Verlust von Vertrauen in das Geld selbst.
Über den Autor
Reinhard Panse
Reinhard Panse ist Chief Investment Officer und Mitgründer der FINVIA Family Office GmbH. Bis Februar 2020 war Reinhard Panse Mitglied der Geschäftsführung und Chief Investment Officer für die im Eigentum der Familie Harald Quandt stehende HQ Trust GmbH. Von 2004 bis zum Eintritt in die HQ Trust GmbH im Jahre 2011 war Reinhard Panse Chief Investment Officer des in der UBS Deutschland AG geschaffenenGeschäftsbereichs UBS Sauerborn. Ab 2001 war Reinhard Panse Mitglied des Vorstands der Sauerborn Trust AG bzw. der Rechtsvorgänger. Er verantwortete die Investmentstrategie und gestaltete federführend die ganzheitliche Vermögensbetreuung und -verwaltung großer Privatvermögen. Begonnen hat Reinhard Panse mit der Übernahme von Kapitalmarkt- und Kundenbetreuungstätigkeiten bei der Feri GmbH im Jahre 1989, nachdem er eine eigene Vermögensverwaltung als Geschäftsführer gegründet und geführt hatte.