Wenn es bei der Deutschen Bank einmal nicht so gut läuft, dann könnte CEO Christian Sewing sich auch einfach mal zurücklehnen und in einem der zahlreichen Bilder verlieren, die im Besitz des Geldhauses sind. Macht er so natürlich nicht, zu viel liegt an bei Deutschlands größtem Geldhaus. Im Gegenteil, wenn es schlecht läuft, lässt er auch gerne einmal das ein oder andere Bild verkaufen.

5,7 Millionen Euro Verlust machte die Deutsche Bank zum Beispiel im Geschäftsjahr 2019. Bis zu 18.000 Stellen sollten gestrichen werden, schrieb im Februar vergangenen Jahres das Handelsblatt. Um neues Geld reinzuholen, musste auch die berühmte Kunstsammlung der Bank leiden. Die ist mit mehr als 55.000 Bildern größer als so manche Museumssammlung und auch legendär.

200 Werke ließ die Deutsche Bank Ende vergangenen Jahres versteigern, einige in Paris, andere in München. Einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag wollte sie damals einsammeln.

Wenn das Frankfurter Geldhaus seine Bilder verkauft, sorgt das immer für großes Aufsehen. Nicht nur, weil unter ihnen viele Werke berühmter Künstler sind, sondern auch, weil manchmal ein Verkauf still und heimlich durchgezogen werden soll, nur um dann doch noch öffentlich zu werden. Ein dreiteiliges Gemälde von Gerhard Richter etwa galt lange als eines der Prunkstücke der Sammlung. „Faust“, so der klangvolle Name, hing viele Jahre in der Lobby des Wall-Street-Turms der Bank in New York. Bis das Bild auf einmal verschwunden war, verkauft an einen amerikanischen Sammler. Die Summe: unbekannt, der Name des Sammlers: ebenfalls.

Dabei macht die Deutsche Bank mit einem solchen Verkauf überhaupt nichts Unredliches. Kunstwerke lassen sich als Assetklasse betrachten, ähnliche wie Aktien, Anleihen oder Gold. Dementsprechend lassen sie sich auch handeln. Es ist die unromantische Seite des Geschäfts, aber es ist genau die Denkweise, die all diejenigen haben sollten, die selbst in Kunst investieren möchten. Das sagt zumindest Arne Freiherr von Neubeck.

Von Neubeck muss wissen, wovon er spricht. Seit 2008 handelt er für seine Kunden mit Kunst, ordnet für sie ihren Wert ein und berät in Sachen Geldanlage. Mit „The Global Fine Art“ hat er ein Unternehmen geschaffen, mit dem er sich auf zeitgenössische Werke fokussiert. Sein grundsätzlicher Rat lautet: „Lassen Sie Ihre Emotionen zu Hause.“ Wer sein Geld in Kunstwerke stecken möchte, der könne natürlich auch entscheiden, ob er ein Bild schön findet oder nicht. Ein entscheidendes Kriterium ist das laut von Neubeck aber nicht.

Damit gehört ein solches Bild auch längst nicht ins eigene Wohnzimmer. Eine Vielzahl ist in Museen ausgestellt oder schlummert in einem Lager vor sich. Denn gerade ältere Bilder so aufzubewahren, dass sie keinen Schaden nehmen und dadurch an Wert verlieren, ist gar nicht so einfach. Teuer kann das auch werden. „Wir arbeiten selbst nur mit flachen Gemälden und Fotografien”, sagt von Neubeck. „Lagern Sie mal eine zweimal zwei Meter Skulptur, das kostet ein kleines Vermögen.”

„Käufer sollten sich plausibel darlegen lassen, dass der Künstler etabliert ist, wie der aufgerufene Preis zustande kommt, dass es sich um ein Original handelt – und welchen Hintergrund der Künstler hat“, sagt er. Ein weiteres entscheidendes Kriterium: „Wer versteht, was der Künstler mit seinem Bild ausdrücken will, der kann auch den Wert des Künstlers und seines Bildes einigermaßen einschätzen.“ Doch die Sache hat laut von Neubeck einen großen Haken: Kunst ist für Laien fast immer schwer einzuschätzen, in jedem Fall deutlich schwerer als Aktien.“

Von Blue Chips und Rising Stars

Von Neubeck hat sich über Jahre ein Netzwerk aufgebaut, ist ständig im Austausch mit Galeristen, Kuratoren, Hochschulprofessoren und Sachverständigen. Doch gerade, wenn es um junge Künstlerinnen und Künstler geht, sei eine seriöse Einschätzung nur bedingt möglich, sagt er. Wer vor allem auf eine sichere Geldanlage aus ist, der sollte bei Kunstwerken auf Blue Chips setzen. Das sind Werke, die von Neubeck im Hinblick auf ihre Marktentwicklung gerne mal als „langweilig“ bezeichnet. Malereien von Roy Lichtenstein gehören dazu, auch ein Picasso hat solche Bilder geschaffen.

Die Betreiber der Plattform Artprice, die weltweit alle Auktionsergebnisse erfasst, haben einmal ausgewertet, wie sich die Rendite durchschnittlich entwickelt. Wer ein Kunstwerk für bis zu 50.000 US-Dollar erwirbt, kann demzufolge mit einer Rendite von gut sechs Prozent nach einer Haltedauer von 12,5 Jahren rechnen. Wer zwischen 200.000 und einer Million US-Dollar ausgibt, kann nach zehn 10,5 Jahren mit einer Rendite von gut 8,2 Prozent rechnen.

Als Wertspeicher ist Kunst damit in jedem Fall ereignet. Wer gar das große Geld machen möchte, kann versuchen, einen Künstler ausfindig zu machen, welcher der nächste große Star werden könnte. Mit den Werken von Albert Oehlen, einem Maler aus Krefeld, ging das zuletzt etwa. Oehlen hatte zwar schon seinen Markt und seine Bekanntheit, seitdem er aber vom in der Szene weit bekannten Galeristen-Tycoon Larry Gagosian vertreten wird, gingen die Preise für seine Werke durch die Decke. Wer allerdings auf den falschen Künstler setzt, hat womöglich Bilder gekauft, die er später nicht mehr los wird, weil der Künstler dann doch wieder in der Versenkung verschwunden ist.

Und dann wäre da auch noch die Sache mit dem Markt. Der litt unter Corona zuletzt deutlich. Denn die Messen, über die üblicherweise viele Werke verkauft wurden, fanden nicht statt. Um 22 Prozent ist der Umsatz weltweit im vergangenen Jahr gefallen. Er betrug noch gut 50,1 Milliarden Dollar. So geht es zumindest aus dem “Global Art Market Report 2021” hervor, den die Art Basel und die Schweizer Großbank UBS jährlich veröffentlichen. Zwar hat das Online-Geschäft 2020 deutlich zugelegt, konnte aber all die Messen und Auktionen nicht ersetzen, bei denen Interessierte vor Ort sind.

„Wenn die Art Basel als größte Kunstmesse zum Beispiel ausfällt, dann fällt das natürlich ins Gewicht“, sagt von Neubeck. Kunstkäufer wollten auch gerne einmal gesehen werden, Eitelkeiten spielten beim Kauf viel zu oft eine große Rolle. „Die Art Basel ist im Grunde so eine Art Ego-Maschinerie“, sagt von Neubeck, der den Markt aber insgesamt für stabil hält. „Das Interesse an Kunst ist ungebrochen, auch steht genug Geld zur Verfügung“, sagt er. Bereits dieses Jahr konnten die ersten Veranstaltungen wieder stattfinden. Von Neubeck geht davon aus, dass sich der Markt daher im kommenden Jahr wieder normalisieren werde.

Das sind die teuersten Kunstwerke der Welt


Platz 1: „Salvator Mundi“ von Leonardo da Vinci

Für 450,3 Millionen US-Dollar ging das Gemälde des berühmten Künstlers 2017 über die Ladentheke. Der Käufer war kein geringerer als an den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman.

Das mit Ölfarben auf einer Walnussholztafel gemalte Werk zeigt Christus als Heiland der Welt in frontaler Ansicht. Die rechte Hand hat er zum Segnen erhoben, in seiner Linken hält er eine Kristallkugel.


Platz 2. „Les femmes d'Alger (Version O)“ von Picasso

Der Abstand zwischen Platz Zwei und Platz Eins ist groß. Für 179,4 Millionen US-Dollar hat das Auktionshaus Christie's das Gemälde versteigert. Der Käufer ist unbekannt.

Das Bild ist Teil einer Reihe von 15 Gemälden, die Picasso gemalt hat. Die Version „O“ stellt eine Szene aus einem Harem dar. Noch 1997 war das Bild bei Christie’s für gerade einmal 32 Millionen US-Dollar versteigert worden.


Platz 3: „Nu couché“ von Amedeo Modigliani

Es ist ein knappes Rennen zwischen Platz zwei und drei. Das Gemälde des italienischen Malers kaufte ein Kunstsammler aus China für 170,4 Millionen US-Dollar.

Das Ölgemälde zeigt eine auf einem dunkelroten Sofa und einem türkisblauen Kissen liegende, unbekleidete Frau. Seit der Auktion ist das Bild im Long Museum in Chongqing, im Südwesten Chinas ausgestellt.