Sei es die Immobilien- und Aktienrallye im Japan der achtziger Jahre, der Technologieboom um die Jahrtausendwende, oder die Subprime-Krise: All diese Blasen sind ein Witz im Vergleich zu der, die in jüngerer Vergangenheit im Staatsanleihenmarkt der Europäischen Währungsunion entstanden ist. Banken und Versicherungen sehen diese dank der Politik als „offiziell” risikolos und kaufen sie nahezu unbegrenzt. Ich betone „offiziell“ in diesem Zusammenhang, weil dem natürlich faktisch nicht so ist.

Denn eigentlich hat keine Regierung mehr eine eigene Notenbank, die bei Bedarf Geld drucken kann, um den Staat auszustatten. Das galt zumindest bis 2012, als Mario Draghi ankündigte, alles für die Rettung des Euro zu tun, was nötig sei. Nun konnten die Staaten der Eurozone fleißig weiter neue Schulden auf ihre Altschulden draufpacken – dank der Maßnahmen der EZB blieben die Zinsen niedrig.

Einkommen fällt durch Corona weg? Egal, per Kurzarbeitergeld oder Dollarschecks kann weiter konsumiert werden.

Das alles erfüllt vor allem einen Zweck: Die Politiker wollen den Wählern schon heute Konsum ermöglichen, den sie sich vielleicht erst morgen, vielleicht sogar niemals leisten können. Einkommen fällt durch Corona weg? Egal, per Kurzarbeitergeld oder Dollarschecks kann weiter konsumiert werden.

Dabei stelle ich gar nicht in Frage, dass diese Geldgeschenke unter sozialen Aspekten absolut verständlich sind. Aber sie werden mit Staatsanleihen finanziert, die trotz steigender Schulden und schwacher Wirtschaft weiterhin als völlig risikolos gelten. Darin unterscheiden sie sich im Wesentlichen nicht von den Subprime-Anleihen, die den Immobiliencrash in den USA ausgelöst hatten.

Würden Sie dem italienischen Staat Ihr eigenes Geld auf zehn Jahre leihen, zu ein Prozent Zinsen? Vermutlich nicht. Die Manager von Banken, Versicherungen und Pensionskassen tun es dennoch, weil es nicht ihr eigenes ist und weil der Staat mit der gesetzlich festgelegten Risikolosigkeit einen unwiderstehlichen Kaufanreiz geschaffen hat.

Es wird sich zeigen, dass Zentralbanken zwar den nominalen Wert des vielen Geldes sicherstellen können, aber nicht die reale Kaufkraft.

Es ist faszinierend, dass solche Anlagen als Altersvorsorgeprodukte nicht nur erlaubt sind, sondern auch noch vorgeschrieben werden. Denn eine zunehmende Deglobalisierung durch Handelskonflikte führt zu weniger Konsummöglichkeiten und letzten Endes zu steigenden Inflationsraten. Dann wird sich zeigen, dass Zentralbanken zwar den nominalen Wert des vielen Geldes sicherstellen können, aber nicht die reale Kaufkraft.

Deswegen werden selbst die solideren deutschen Staatsanleihen nach meinen Berechnungen künftig ein Drittel ihres Wertes verlieren – pro Dekade! Und das ist noch der beste Fall.

Das einzig Beruhigende an dieser Blase ist, dass sie nicht platzen wird. Denn im Gegensatz zu früheren Fällen ist sie nicht entstanden, weil der Staat bestimmte Probleme in der Privatwirtschaft beheben wollte. Mit ihr kaschieren Länder ihre eigene jahrzehntelange Misswirtschaft. Und die wollen sie sich natürlich nicht eingestehen.